Am darauffolgenden Tag war nicht allzu viel los. Ein kleiner Walmart Ausflug (Ben hat wieder zugeschlagen) , Packen, vom Strand verabschieden und Abendessen bei Denny’s. Sein neuer Dinosaurier hatte selbstverständlich auch Hunger und über Begleiter. Nur Blödsinn hatten wir im Kopf. Bubba sagte, Denny’s wäre gut. Mein Fazit: Geht so. Ben war nicht allzu happy drüber und ich fand es auch nicht doll. Ich freue mich schon wieder auf unser Essen Zuhause…yeeeha.
Nachdem es Ben ja wieder super zu gehen scheint, trifft es nun mich. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass mich meine Bronchitis wieder einholt. Oder weshalb bekomme ich so schlecht Luft. Ich decke mich bei Walmart mit schleimlösenden Mitteln ein und los geht’s. Ich glaube, ich habe seit Kolumbien wäre und schreibe 150€ nur für Medizin ausgegeben. Das schaffen wir sonst im Jahr nicht einmal. Wahnsinn.
17. Juli
Die Nacht war sehr bescheiden. Das mit der Luft ist nicht gut. Gar nicht gut. Auf dem Weg zum Flughafen wird es schlimmer und als wir einsteigen, hoffe ich, dass es irgendwie vergeht und versuche mich bei Laune zu halten.
Doch als wir in JFK umgestiegen sind, wurde es noch einmal schlimmer. Ich muss das nun etwas ernster nehmen, wie es scheint. Langsam bekomme ich Panik, doch das hilft auch nicht. Ich will bis Portugal durchhalten, genauer gesagt bis Porto. Denn wir landen in Lissabon und müssen noch mit dem Zug nach Porto hoch fahren. Das wird doch wohl zu schaffen sein.
Den Flug, auf welchem wir beide nur 2 Stunden geschlafen haben, verging irgendwie und wir landeten in Lissabon. Ich könnte heulen, so furchtbar fühlte sich mein Ringen um Luft an. Schließlich tat ich es auch und eine Frau kam, um uns zu fragen ob sie mir helfen kann. Ben tat mir so leid, der versuchte mich außerordentlich süß zu trösten und Mut zu zureden. Ich muss noch bis Porto kommen. Es stand außer Frage. Morgen geht der Flug nach Deutschland und ich will hier nicht stranden. Ich packte die Koffer um, den Rucksack leer, denn ich konnte nichts auf meinem Rücken tragen. Keine Treppen. Keine längeren Wege als 300m. Fuck. Wir ergatterten also ein Zugticket nach Porto und schliefen fast die ganze Fahrt, weil wir so fertig waren. Dort angekommen, ging es mir kurzzeitig besser. Wir fuhren mit dem Taxi ins Hotel, warfen unsere Sachen ins Zimmer, packten einen Krankenhaus-Rucksack und fuhren mit dem Taxi zum Krankenhaus. Diesmal war also ich dran. Super. Ich könnte jetzt einen ewig langen Absatz darüber schreiben, nein schimpfen, wie man dort 7 Stunden wartet (auf ein Röntgen, Covidtest und einmal Lunge abhören, Auskultieren). Oder darüber, wie man eine Infusion mit einem Medikament bekommt, mich allein dort sitzen lässt und ich wegklappe. Ja es war klasse… Hätte Ben keine Schwester mit „Zeichensprache“ geholt, wäre es glatt noch „witziger“ geworden.
Ende vom Lied: Asthma. Ob das wirklich stimmt? Zwei Sprays, ein Antihistaminikum. So richtig gut helfen tut es nicht. Zumindest aber sitzt nun kein Gorilla mehr auf meiner Brust, sondern eher ein dicker Waschbär. Also bin ich einfach nur froh, dass ich mich Zuhause ordentlich durch checken lassen kann. Genauso wie Ben.
Bubba und Deanna sind Heim geflogen und Ben schlief ewig. Ich habe mich darauf eingestellt, dass der heutige Tag sicher schwierig wird. Doch dann geschah etwas seltsames. Ben wacht auf und sagt: oah Mama mir geht’s ja gut! Und ich hab Hunger! WHAT? Okay……wir machen mal ganz langsam. Er hat 4 Brote gefuttert und hat im Wohnzimmer abgetanzt. Was läuft denn hier bitte für ein Film? Das kann doch keine NaCl Infusion… Wir haben bis 14 Uhr abgehangen, im Bett gelegen und nix gemacht. Später habe ich mich gewagt, mit ihm spazieren zu gehen und auch etwas Wasser zu kaufen. Dabei ging es ihm gut und es war als wäre nichts gewesen. Das ist mir unerklärlich. Der blöfft doch. Kleiner Spoiler vorweg: heute ist der 19. Juli und Ben geht es nach wie vor gut. Dennoch hielten wir die Tage eher gediegen und kurz.
14. Juli – Zeit für ein bisschen Strand
Glücklicherweise ist Miami Beach nur 6 Minuten zu Fuß entfernt. Wir packen heute also unsere Strandsachen zusammen, mieten uns Liegen und Schirm und hängen am Strand ab. Gebuddelt wird nur seniorengerecht …ja leider keine riesen Vulkane und Löcher mehr, jetzt gibt’s vorerst nur noch Sandkuchen. Immerhin müssen wir ja Kräfte einsparen. Wir genießen das lauwarme Wasser und ich habe Ben scharf im Blick für jegliche Auffälligkeiten. Wenn ich nun eins weiß: Ben ist ein guter Schauspieler, und offenbar kann er sehr gut „Unwohlsein“ tarnen. Wer möchte schon was vom Leben verpassen?
15. Juli – South Beach
Also gut, Ben geht’s nach wie vor gut. Er isst auch wieder mehr und daher fahren wir heute mit dem Miami Trolley 20 Minuten, um South Beach zu sehen. Der berühmteste Strand in Florida. Ja okay, er ist schön, aber meiner Meinung nach vieeeeeel zu voll. Wir haben keine Badesachen dabei. Egal, dann eben in Unterwäsche! Ben hat den Spaß seines Lebens und schreit unentwegt „ich bin so glücklich. yeah. Das ist so cool“. Na das hört sich doch super an. Das Drumherum von South Beach ist auch einen Stadtbummel wert. Außerdem habe ich Ben die ganze Reise über vertröstet, wenn er Spielsachen kaufen wollte. Gelockt habe ich ihn mit der USA, denn hier kann man doch so super shoppen gehen… Also stehen wir hier u.a. vor ROSS und Ben verschwindet in den Regalen. Keine Ahnung wie ich früher so gerne shoppen gehen konnte. Mittlerweile nervt mich das eher. Er wird jedenfalls fündig (klar wird er das…meine kleine Shoppingueen).
Doch Miami glänzt nicht nur. Man sieht auch hier die Armut an allen Ecken, Drogensüchtige und Mitarbeiter in diversen Lokalen, die alles andere als gesund oder glücklich aussehen. Bei Subway hat mich geschockt, dass ein Mann, der mindestens 68 Jahre alt gewesen sein muss, mit Hörgerät, humpelnd, gekrümmt noch dort arbeitete. Er konnte ja kaum das Sandwich in der Hand halten. Vermutlich hat er keine Wahl, wenn er sich über Wasser halten muss. Keine Ahnung. Jedenfalls fand ich es sehr traurig. Wir haben einige Personen gesehen, die nicht obdachlos aussahen, aber so krasse Erkrankungen hatten, einfach weil sie scheinbar keine Krankenversicherung haben oder keinen Ort mit staatlicher Versorgung finden können.
City Skyline vs. Miami Beach. Wir machen eben beides. 5 Nächte in Brickell und 5 Nächte North Beach, das ist der Plan. In zwei Tagen würden Bubba und Deanna ankommen.
8. Juli
Der heutige Tag bestand darin, am Pool abzuhängen und danach mit dem Auto Miami Beach mit dem Auto zu erkunden. Auf dem Weg dorthin, fuhren wir am Hafen vorbei und ich muss schon sagen: Wow! Ich bin kein Anhänger von Kreuzfahrten, was neben ökologischen auch andere Gründe hat. Dennoch war es ziemlich beeindruckend, diese riesigen „Wasser-Resorts“ zu sehen. Beim Fahren zu fotografieren war allerdings eine Herausforderung (bad mom). Daher nicht allzu imposante Fotos an dieser Stelle.
Als wir in South Beach ankamen, waren wir von abgefahrenen Trikes, Skatern, Lamborghinis und viel nackter Haut umgeben. Hier ist ja was los. Hier zu parken war sinnlos. Davon abgesehen, beklagt sich Ben andauernd, dass ihm zu heiß ist und dann doch wieder kalt. Wir fahren also eine Runde und machen kehrt.
Oben auf der Dachterrasse lassen wir uns von den Ausblicken berieseln und gehen heute früher ins Bett (22 Uhr ist dann doch etwas spät).
9. Juli – Und dann kam das Fieber
Mitten in der Nacht wacht Ben auf und klagt über Schmerzen und, dass ihm so kalt sei. 38 Grad. Geht noch. Doch am Morgen holten wir uns aus der Apotheke ein paar Meds, wer weiß wie sich das entwickelt. Es dauerte auch nur 3 Stunden und er glühte. Den Saft fand er furchtbar, würgte ihn jedoch herunter. Dieser Tag würde wie folgt aussehen: im Bett abhängen (gut, dass es gefühlt 3m breit war), Film schauen, Schlafen, Essen, Schlafen. Wir ziehen das gnadenlos bis 19 Uhr durch. Dann kamen Bubba und Deanna an. Ben hielt sich wacker, doch die 39° Marke behielten wir bei. Diese Nacht schlief er dann gute 12 Stunden.
10. Juli Flamingo Garden im Kinderwagen
Das Fieber hielt sich bei etwa 38°, Ben war wieder ganz gut drauf. Also beschlossen wir, mit Medikamenten im Gepäck, etwas zu unternehmen, wobei Ben sich so wenig wie möglich bewegen muss. Im Flamingo Garden gab es Kinderwagen, beim Einkaufen ebenfalls. Ben hat sich wie ein König den ganzen Tag von Bubba umher schieben oder tragen lassen und fand das ziemlich amüsant. Er hatte den ganzen Tag eine Menge Spaß und gegen Mittag hatte er wieder normale Körpertemperatur. Das Fieber hat sich nie wieder blicken lassen. 24 h Fieber kennen wir von Ben ziemlich gut, dass er richtig krank wird dahin gegen eher selten.
11. Juli Florida Keys
Nach einem typisch amerikanischen Frühstück fuhren wir in Richtung Süden. Es waren eigentlich 1,5h Fahrt, doch am Ende waren wir (nach Islamorada) gute 2 Stunden unterwegs. Ich würde es ja gerne auf den Verkehr schieben, aber tatsächlich war es so, dass wir 2x bei McDonalds und 1x bei Tacobell angehalten haben …haha. Ben war hungrig ..so sagte er. Doch es schmeckte ihm einfach nicht. So gar nichts. Außer Zitronenlimo, und davon konnte es auch nicht genug geben. Sehr witzig… Hoffentlich verfolgt uns das nicht bis nach Hause :-D.
Wir verbrachten einen Großteil der Zeit in einem Park mit Strand. Das Wasser hatte allerdings eine höhere Temperatur als die Außentemperatur. Das war doch schon etwas merkwürdig. Ben entdeckte einen großen festen Sandhügel und wir fingen an zu bauen. Eine Burgmauer -dachte ich. Dann kam Deanna dazu und meinte: „Wow cool! You’re building a croc!“ What? Ein Krokodil? Ben und ich gingen ein Schritt zurück und siehe da. Es sah tatsächlich ein wenig so aus, als würde ein Krokodil auf dem Hügel sitzen. Okay dann bauen wir wohl ein Krokodil. Naja eigentlich eher Deanna, denn die hatte es voll drauf. Ben war am Ende ziemlich stolz drauf und Deanna wäre nicht Deanna, wenn sie nicht aus allem ein Photoshooting machen würde.. also mussten Bubba, und später andere Strandbesucher, eben ran an die Arbeit…haha.
Nach dem Abendessen kam dann eines von Ben’s Highlights. Wir fuhren zu Robbies Islamorada, wo man Tarpune füttern konnte. Außerdem kommen hier auch jeden Abend Haie vorbei, oft tagsüber Seekühe. Wir hatten leider nicht das Glück diese zu sehen. Dafür war es umso lustiger, wie die Pelikane immerzu Ben beklaut haben. Einmal haben sie einen Fisch direkt aus dem Eimer gemopst und zweimal im Sturzflug aus der Hand geklaut, als er gerade die riesigen Tarpune füttern wollte. Das Gesicht hättet ihr sehen sollen. Ein war ein Bild für die Götter…Die Pelikane sind aber auch echt krass. So richtig mutig-angriffslustige und hinterlistige Vögel. Dennoch finden wir sie voll cool und haben sie oft beihnahe stundenlang in Costa Rica und Kolumbien beobachtet. Einfach weil, sie so coole Manöver starten.
Ja, Ben hat diesen Tag geliebt. Und das süßeste was er an diesem Tag gesagt hat war: „Mama, ich mag Bubba so sehr, dass ich ihn glaube ich ganz schön vermissen werde, wenn er nicht mehr da ist.“ Bubba war gerührt und ich konnte es soo gut verstehen. Denn ich habe ihn auch sehr gern! Als ich 2007 das erste Mal nach Hause flog, habe ich Rotz und Wasser geheult und wir haben täglich mehrmals telefoniert. Ich wollte unbedingt zurück. Die beiden haben mich stets umsorgt und wie ihr eigenes Kind behandelt (das tun sie auch immer noch wenn wir uns sehen, was ich etwas niedlich finde).
12. Juli – Krankenhaus statt Everglades
Mitten in der Nacht lag Ben weinend neben mir. Ich dachte zuerst es sei ein Alptraum, doch das war es nicht. Es waren Schmerzen Augenschmerzen. Mit viel Streicheln und schlief er wieder ein.
Am Morgen fragte ich ihn, ob wir zu den Krokodilen fahren wollen. Dann meinte er jaaaaaaa. Aber erst möchte ich mich noch einmal hinlegen. Hä? Das finde ich seltsam. Gut, er macht das manchmal, weil er denkt der Tag hätte 100h und endet nie. Aber er hatte schlechte Laune und wollte nicht raus rücken was los ist. Dann tat er es doch und klagte wieder über Augenschmerzen, Nackenschmerzen und er ist fertig. In Ordnung, dann gehen wir jetzt zum Arzt, ist vielleicht besser. Gesagt, getan, doch dabei blieb es nicht. Der Arzt konnte kein Labor machen, aber er kann eine Meningitis nicht ausschließen. Er empfiehlt uns, direkt ins Krankenhaus zu fahren und fragt ob er eine Ambulanz ordern solle. Ich kann mir vorstellen, dass viele Kinder das aufregend gefunden hätten aber, da Ben einen Heulkrampf bekam, als er vom Krankenhaus erfuhr, sind wir dann lieber von Bubba und Deanna chauffiert worden. Ziemlich besorgt und nervlich am Rande des Wahnsinns, fuhren wir also ins Krankenhaus und hatten großes Glück, beinahe allein in der ER zu sein. Wir bekamen gleich ein Untersuchungszimmer zugewiesen, in welchem Ben sich hinlegen und schlafen konnte. Länger als 15 Minuten wach halten war auch nicht drin. Er war nicht der Ben, den ich kenne. Die Schwestern waren grandios, der Doktor hat sich (als er dann nach 3h kam) viel und mehrmals Zeit genommen, was ich sehr beruhigend fand. Ben ging an die Infusion, gab Urin ab und ihm wurden 8 Röhrchen Blut abgenommen. Boah, ich bin ein Jammerlappen , was Nadeln und Infusionen (an meinem Körper) angeht. Ben hat das aber richtig klasse gemacht. Er hat keine Träne verloren, meinte sogar es hat kaum weh getan und eigentlich habe ich damit gerechnet, dass er weint, wenn die Schwester aus dem Zimmer geht. Er hasst es, vor anderen zu weinen. Aber er hat mich dann später nur gefragt: „Mama, wieso hat das denn nicht weh getan?“ Wow. Und dann ist er wieder eingeschlafen. Das ging etwa 8 Stunden so. Schlafen, aufwachen, untersuchen, schlafen, pinkeln, schlafen. Essensverweigerung sowieso.
Was kam bei raus? Nicht viel ehrlich gessagt. Gut ist, dass Meningitis und Mononucleose, Anämie, Nierenproblematiken und andere krasse Sachen ausgeschlossen werden konnten. Hepatitis und eine Blutkultur wurden ebenso angewiesen. Gegen 21.40 wurden wir dann entlassen und Ben hat mit Schmerzmittel 14 Stunden geschlafen.
Wir sind insgesamt 12 Tage in Cartagena, Kolumbien, gewesen. Gelernt haben wir vor allem eins: hier macht Geld, wer aggressiv und aufdringlich ist. Außerdem versucht man international Touristen für Cartagena zu gewinnen, indem man unrealistische Parallelwelten schafft. So suggeriert man, dass man ein attraktives Urlaubsziel ist. Wenn man allerdings merkt, wie die Tourenanbieter vorgehen, hat man schon nach dem ersten Ausflug keine Lust mehr, etwas anderes zu buchen. So ging es jedenfalls mir. Der Wettkampf um jeden Peso ist so enorm, was angesichts der Lebenslage des Großteils kein Wunder ist. Dennoch frage ich mich:Ist das ein Cartagena- „Ding“, oder einfach kolumbianisch? Das werden wir bei diesem Aufenthalt nicht ehrlich herausfinden können.
Wir haben in 3 Unterkünften genächtigt. In Crespo, sehr basic, aber ein guter Start, da Tanita eine unfassbar wertvolle Hilfe war. Dann in Bocagrande im Privatzimmer sehr wohlhabender Kolumbianer. Zum Schluss dann im Hotel Corales de India. 8 Tage lang haben wir erkundet (5 Tage hätten locker gereicht) und 4 Tage haben wir hauptsächlich im Hotel verbracht: baden, essen, schlafen, baden, essen, schlafen….ähm…ja und so weiter.
Highlights in Cartagena
Centennial Park mit den Faultieren & Leguanen
Museo de Naval
walled city, weil nett anzusehen und durch zu schlendern mit netten Cafés und Restaurants
Castle Felipé
leere Strände in Richtung Crespo
Lowlights in Cartagena
Playa Blanca/Tranquila bzw. die Tourenanbieter
Bocagrande Strände und Promenaden
Ein Taxifahrer, der uns abgezockt hat
überfüllte Strände mit aufdringlichen Verkäufern, v.a. Bocagrande
Transport& Auto fahren in Cartagena, Kolumbien
Auto mieten kommt hier nicht in Frage- zumindest nicht für mich. Der Verkehr ist aggressiv und die Parksituation nicht immer safe. Insbesondere, wenn man keine überwachte Garage findet. Mietwagen werden gerne aufgebrochen, oder gestohlen. Wenn man Überlandfahrten (z.B. in Richtung Barranquilla, Santa Marta, etc.) plant, kann man das mit privaten Transfers buchen. Oft sogar bei GetYourGuide oder inDriver. Außerdem, ist das Taxifahren super super günstig. Vorausgesetzt, man lässt sich nicht abzocken. Die Empfehlung unserer Vermieterin war inDriver zu nutzen. Das ist ähnlich wie Uber und sehr gängig. Es gibt keine Taximeter, jeder Preis ist reine Verhandlungssache. Da ich keine Lust auf Diskussionen mit Fahrern hatte, war mir inDriver ein Segen. Man gibt dort ebenfalls Start & Zielort ein und schlägt einen Preis vor. Entweder ein Fahrer nimmt deine Anfrage an, oder aber der/die Fahrer machen ein Gegenangebot. Ablehnen kann man immer. Innerhalb von Cartagena kommt man so ziemlich überall für 10.000 – 12.000 COP hin. Das sind dann etwa 2,50-3 Euro. Wir haben auch ein paar Mal ein offizielles gelbes Taxi genommen, was glatt und easy lief. Doch einmal wurden wir so richtig verarscht, wo ich mich auch tierisch aufgeregt habe. Am Hotel standen die weißen Turismo Taxis und ich fragte, ob 9.000 COP nach Bocagrande okay sind und es kam ein Ja. Dort angekommen, wollte er dann 15.000 COP und zeigte mir eine dämliche Preisliste. Also, nutzt inDriver! Keine Diskussionen und keine Chance, reingelegt zu werden.
Essen & Essen gehen
Essen gehen in Cartagena ist echt günstig. Wir haben ab und zu Einheimischen-Lokale aufgesucht und wurden geschmacklich nicht enttäuscht. Oft waren wir dann doch in „westlichen“ Lokalen. Man kommt mit 15€ pro Person pro Tag gut hin. Das war also, angesichts der 12 langen Tage dort, ein Pluspunkt.
An das Streetfood habe ich mich nicht heran getraut – nicht allein mit Ben im Schlepptau. Normalerweise habe ich da immer Bock drauf, aber wenn ich über dem Klo hänge, wäre das ziemlich blöd für Ben. Also keine Abenteuer hier.
Rappi und Co.
Was bei uns Lieferando ist, ist in Kolumbien Rappi. In Costa Rica ist zudem uberEats ziemlich beliebt. Jedenfalls ist das eine gute Alternative, wenn man am Abend die Straßen meiden möchte.
Lohnt sich Cartagena?
Diese Frage kann sich jeder nur selbst beantworten. Für wen es sich eignet, lässt sich ganz gut aufführen:
wer günstig leben & essen will
wer günstig am karibischen Meer sein möchte
wen aufdringliche Verkäufer nicht stören
wen Lautstärke nicht stört
wer Party machen will
wer die „westlichen“ Annehmlichkeiten auch in Kolumbien haben will (moderne Shoppingcenter, ausgewählte saubere Restaurans, exquisite Supermärkte, die ihren Preis haben)
wen kolumbianische Kultur weniger interessiert
wer gerne handelt und Diskussionen nicht scheut
Für wen es sich (meiner Empfindung nach) weniger eignet:
für Menschen, die Erholung suchen
für Kinder unter 6 Jahren, allein wegen der hygienischen Standards
für Personen, die Strandurlaub suchen
für Personen, die Karibikfeeling erwarten
für Personen, die autonom sein möchten (man ist stets auf Fremdfahrer angewiesen)
für hitzeempfindliche Personen
Würde ich nochmals nach Cartagena reisen?
Nein, zumindest nicht länger als 3 Tage mit einem Kind. Wieso? Weil es, meiner Meinung nach, zu wenig interessante und kinderfreundliche Dinge gibt. Die Burg, das Marine Museum, die Tiere im Centennial Park und vielleicht die Sightseeing Busfahrt, sind für Kids interessant. Darüber hinaus, gibt es einfach nur haufenweise Läden, keine Strände, an denen man mehrere Stunden Sandburgen bauen würde, oder seine Sachen liegen lassen möchte. Wer Hotel-und Pool-Urlaub machen möchte, bekommt in anderen Orten/ Ländern für den gleichen Preis bessere Angebote. Unser Hotel war für Kinder super eingerichtet, allerdings gab es drum herum nicht viel. Auch lag ein seltsam feuchter Geruch in den Zimmern, die Klima roch bedenklich, das Frühstück war nichts, worauf man sich freuen konnte und das Hotel ist einfach renovierungsbedürftig. Der Ausblick und die Pools waren allerdings wunderschön! Mit knapp 80€ pro Nacht jedoch nicht ganz im Verhältnis stehend (angesichts der sonst sehr günstigen Unterkünfte in Cartagena).
Wie ich es immer mache, habe ich vorab bei TripAdvisor und GetYourGuide nach potenziellen Ausflügen geschaut. Ben und ich hatten uns ein Wasser-/Strandausflug und den Schlammvulkan ausgesucht. Ganz begehrt: Playa Blanca. Zugegeben, das Wasser ist wie man es sich in der Karibik eben vorstellt. Wären da nicht die riesigen Müllhaufen in der Nahe, der Benzingestank der vorbeifahrenden Boote und ein Haufen nerviger Verkäufer. Mir ist klar: Dort will ich auf gar keinen Fall hin. Tanita, unsere Vermieterin, hat eine Cousine, welche eine Reiseagentur betreibt. Also suchen wir über sie nach einem Strandausflug. Wir stoßen auf Playa Tranquila , übersetzt „ruhiger Strand“. Der ist auch auf Barú (Halbinsel vor Cartagena), aber sieht auf den Fotos viel ruhiger und idyllischer aus. Zwei Tage später wurden wir vom Minibus /Van um 6.30 abgeholt. Wir waren voller Vorfreude, wenn auch müde und obwohl ich mich gar nicht fit fühlte. Aber hey, am Strand können wir ja den ganzen Tag entspannen. ODER?
ein idyllisches Köderfoto :-)
Opfer des miesen Massentourismus
Unser Guide, der kein einziges Ort Englisch konnte, plapperte vor sich hin. Ich bat ihn noch einmal langsam zu wiederholen, aber nö. He doesn’t bother. Nun gut, ich verstand etwas wie „una tienda cerca de playa tranquila en 5 minutos“…heißt dann wohl, dass wir in 5 Minuten an einem Laden anhalten, falls noch jemand etwas für den Aufenthalt benötigt. Ben war hungrig und das kam uns recht. Wie sich heraus stellte, war der „Laden“ ein Witz. Es gab Chips, Wasser und abgepackte muffinähnliche Dinger. Der Verkäufer schien sein best buddy zu sein und dicke Freunde machen eben gute Geschäfte. Also zahlen wir gleich mal 4x so viel wie in Cartagena. Das fängt ja gut an. Als wir weiter gefahren sind, gab es einen richtigen Supermarkt, an welchem wir natürlich nicht angehalten haben.
Ich verfolge auf Google Maps, dass wir in Richtung Playa Blanca abbiegen und bin irritiert. Ich google und zoome rein und was sehe ich da? Das kann nicht wahr sein. Es gibt einen zweiten Playa Tranquila……genau neben dem Playa Blanca. Meine Laune sinkt so tief, dass der Mariannengraben dagegen ein Witz ist. Hier sind wir also. An dem Ort, an den ich auf gar keinen Fall wollte. Wir steigen aus, laufen durch das Gewimmel von Verkäufern, vorbei an Müllbergen hinter zum Wasser. Dort steigen wir in ein Boot, um 2 (!!!!!) Minuten mit dem Boot zu fahren. Playa Tranquila = Playa Blanca, so eine Verarsche ist echt grenzwertig. Man hat unseren Mitreisenden die Laune ebenfalls angesehen. Der Playa Tranquila, den ich bei google gesehen habe, war 5km weiter südlich…fernab des Trubels.
Da waren wir also und mussten bis 14.30 die Zeit „rumkriegen“. Es reihte sich eine Hütte neben die nächste. Jeder verkaufte das Gleiche, jeder hatte seine Strandliegen oder Betten davor zu stehen, welche man nutzen konnte. Also suchten wir uns eine und haben beschlossen , das Beste daraus zu machen. Ehrlich! Das war unser Plan. Aber der Tag wurde nicht besser. Ben fing an zu buddeln, eine kleine Dinoburg zu bauen. Doch alle 3 Minuten kam ein Verkäufer (oder anderer Gast), und ist -obwohl Ben offensichtlich baute – drüber getrampelt. Er hat so bitterlich geweint. Und es tat mir so leid, dass ich gleich mit geweint habe. Was stimmt mit den Leuten hier nicht? Ich baute ihm also eine Begrenzung aus Schuhen und anderen auffälligen Dingen und hoffte, dass der Nächste Augen im Kopf hat (und sie auch benutzt). Okay, das funktionierte. Eine Stunde später hat Ben sich den rechten Fuß aufgeschnitten (Müll sag ich nur…). Dann begann es zu regnen. Dann gab es Mittagessen – Lichtblick. Der Fisch war auch sehr lecker, das muss man den Köchen lassen! Ben musste mittendrin auf die Toilette, also gingen wir. Als wir zurück kamen, war unser Essen weg. Echt jetzt? Wir beschlossen, einfach baden zu gehen und irgend etwas zu genießen. Doch es stank einfach überall nach Benzin. Die Boote und Jetski fuhren ohne Pause ca. 20m vom Ufer entfernt hin und her. Sie versuchen sich zu bewerben und rufen immer wieder Preise zum Strand. Während der letzten 4 Stunden haben auch meine Nase und Ohren dicht gemacht – klasse. Die Verkäufer kommen im Minutentakt und die Masseure sind die krassesten. Da greifen die sich einfach meinen Fuß und fangen an irgendwas zu säuseln und lassen mich nicht in Ruhe. What? Hier lernt man, dass man so richtig unfreundlich sein muss, damit sie einen in Ruhe lassen. Sehr schade.
9 Uhr, vor dem Ansturm
…und unser „Guide“ spielt Karten, obwohl die Gäste auf die Rückfahrt warten
Es ist dann irgendwann 14 Uhr und wir machen die letzte Wasserrunde, bevor wir zum Treffpunkt in der Hütte gehen. Es sitzen bereits alle Mitreisenden an den Tischen und warten. Warten auf die Rückfahrt. Aber unser Guide, der ist der schärfste. Er sitzt am Tisch mit seinen buddies und spielt Karten. Auf Nachfragen, wann wir losfahren, sagt er gleich. Mehrmals. Dann beginnt es wieder zu regnen. In der Zwischenzeit rede ich mit zwei Männern, welche, wie ich erfuhr, aus Bogotá kommen. Ich fragte sie, wie sie es hier finden und deren Blicke waren einmalig. Einer von beiden erzählte mir, dass er schon nach 3 Tagen Cartagena die Schnauze voll hat und sie noch 2 Tage durch halten müssen. Außerdem ist Bogotá so viel sauberer, keine aggressiven Verkäufer und der Strand hier ist eine Verarsche. Als ich ihnen erzählte, dass wir noch 7 Tage vor uns haben, setzte er ein mitleidiges Gesicht auf. Die Jungs fragten dann auch noch einmal den Guide, ob wir dann mal starten können und dann erhob der Gnädige sich auch. Nicht, dass er uns zum Boot, oder zum Bus begleiten würde. Nein, er schickte einen Buddy, um uns zum Parkplatz zu bringen. Dieses Mal allerdings zu Fuß – im Regen. Die zwei Bogotáer haben sich uns angenommen und das fanden Ben und ich ziemlich nett. Es war nämlich so voll, dass men unseren „neuen Guide“ kaum sehen konnte. Es war echt ein Unding. Nach dem Gang durch Schlamm und Pfützen, stehen wir am Parkplatz mitten im Regen und warten. Kein Guide – kein Bus. Nach 10 Minuten, rollte der Bus dann vor. Leute, hier sind die Besucher wirklich busweise weg geschafft worden. Es war unglaublich. Wer tut sich das freiwillig an?
Ben war so fertig, dass er im Bus eingeschlafen ist. Wie er das geschafft hat, bleibt ein Rätsel. Wieso? Weil 1. der Bus extrem laut ist. 2. die Straßenverhältnisse so schlecht sind, dass man teilweise 30 cm vom Sitz abhebt und 3. die Klimaanlage aus war – bei 36 Grad.
Eine wertvolle, dennoch ätzende Erfahrung
Ich bin ja der festen Überzeugung, dass jede Erfahrung bzw. jedes Erlebnis seine Daseinsberechtigung hat. Deshalb würde es nicht zu mir passen, diesen Beitrag so stehen zu lassen.
ja, dieser Strand Playa Tranquila/Playa Blanca ist ein Verbrechen
ja, dieser Ausflug war offenkundig eine reine Lüge und Abzocke
ja, ich..nein wir sind traurig darüber, dass dieser Tag so gar nicht war wie vorgestellt
Doch wieso fahren so viele Menschen hier her? Wieso unterstützt man so etwas? Weshalb verdreckt man einen wirklich paradiesischen Ort so sehr? Und wird man so dermaßen über den Tisch gezogen?
Wir sind insgesamt 12 Tage in Cartagena gewesen, länger als notwendig und länger als die meisten Touristen. Wir haben mit Tanita und ein paar anderen Kolumbianern geredet und eins ist dabei klar geworden: Jeder versucht auf jede erdenkliche Weise sein Geschäft zu machen. Man kann gegen Betrug nicht vorgehen und die Leute lügen dir direkt ins Gesicht. Die Touranbieter und Tour-Durchführenden sind andere Welten. Den Anbietern wird etwas verkauft, das toll ist. Das wird dann -im besten Glauben- Touristen vermittelt und in Wahrheit landet man im Sammelbus und wird wie eine Nummer abgefertigt. Kaufe nichts, wo kein Preis dran steht, es sei denn du hast wahnsinnige Lust penetrant zu verhandeln.
Was ich total verwirrend fand, war, dass es anscheinend vielen Menschen dort am Playa Blanca/Tranquila echt gefallen hat. Mitten im unaufhörlichen Benzingestank, umgeben von Müll (schaut bloß nicht hinter die Hütten) und aufdringlichen Verkäufern, ergänzt um laute Musik aus verschiedensten Lautsprechern und aus allen Richtungen. Mittlerweile habe ich aber über das Volk gelernt, dass sie „laut“ mögen. Alles ist laut und das überall. Egal, ob am Strand, im Restaurant, oder Zuhause. Im Restaurant, versteht man sein eigenes Wort kaum, den Kellner schon gar nicht. Aber das interessiert niemanden. Nicht einmal wenn man sagt, ich verstehe sie nicht, weil die Musik zu laut ist. Es ist schon sehr interessant, wie man hier lebt.
Die Strände in Cartagena sind allesamt nicht schön. Wir haben 4 Strände bei Bocagrande, 1 Strand in Crespo und zwei Strände zwischen der walled city und Crespo inspiziert. Die Strände in Bocagrande sind eine Katastrophe. Verkäufer, Dreck, unheimlich viel Seegras, Boote und Jetski….und Menschenmassen ohne Ende. Nach der walled city, etwa auf Höhe des Ibis Hotels, sind die Strände dann leerer bis leer. Kaum bis keine Verkäufer und nur vereinzelt trifft man Einheimische. Wenn man baden gehen möchte, dann hier bis hin nach Crespo. Alle Strände sind grau, das Wasser mehr oder weniger klar. Das erklärt, warum die meisten Einheimischen, kolumbianische Touristen & co. gerne/ regelmäßig nach Barú zum Playa Blanca fahren. Sie sind Verkäufe gewohnt, das Wasser ist türkis und der Sand weiß. Für jede also ein großer Mehrwert. Schade, dass sie ihr eigenes Paradies allerdings so zerstören. Hauptsache, man kann heute Geld damit machen. Das ist alles, was zählt. En
Dieser Post ist definitiv emotional geprägt, aber ihr werdet es mir hoffentlich verzeihen.
Es ist der 26. Juni und wir landen in Cartagena, Kolumbien. Zur Wahl standen Bogotá oder Cartagena + Tayrona National Park. Da ich mir unsicher war, wie uns Bogotá als Großstadt gefallen würde, entschied ich mich für Cartagena. Nachdem ich mit einer anderen alleinreisenden mit Kind unterhalten habe, entschied ich mich gegen den Tayrona National Park und dessen Umgebung. Die Anreise dorthin wäre auch etwa 5h gewesen und die Unterkünfte wieder sehr rustikal. Also Planänderung, wir bleiben in Cartagena.
Die erste Unterkunft – Teil des Abenteuers
Ich habe 4 Unterkünfte gebucht, alle in einer anderen Gegend, um alle Teile etwas kennen zu lernen. Die erste Unterkunft war 3 Minuten vom Flughafan entfernt. Der Innenhof war so süß gestaltet, die Gastgeberin super nett, hilfsbereit und herzlich. Das Zimmer war sehr einfach gestaltet, die Dusche kalt, das Bad nicht sehr einladend und die Tür ließ alle potentiellen Krabbeltiere willkommen heißen. Oh man. Na gut. wieder 4 Tage Abenteuer. Der erste Gang führt zum Supermarkt, um Insektenspray und Getränke zu kaufen. Die Gegend war von Polizei extrem bewacht. Das mag einschüchternd wirken, aber zumindest war es so sicher. Laut unserer Vermieterin, war dies einer der sichersten Gegenden, da eben sehr gut bewacht. Generell gab es hier kaum bis gar keine Touristen. Das hat den Vorteil, dass es hier keine Verkäufer gibt, die dich bedrängen. Allerdings gibt es auch keine sehenswerten Orte in der Nähe.
der Einheimischenstrand
Wir laufen ca. 5 Minuten zum Strand und sind überrascht. Denn er ist echt total okay! Klar, es ist nicht ganz sauber. Doch ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich das auch gar nicht erst erwartet habe. Ben fand es suuuuper. Wir waren hier zwar die Attraktion schlechthin. Unsicher haben wir uns jedoch nicht gefühlt. Kleiner Spoiler vorweg: nachdem wir nun (5 Tage später) auch andere Strände gesehen haben, müssen wir feststellen, dass der Einheimischenstrand der beste war. Es gibt keine nervigen und aufdringlichen Verkäufer. Glaubt mir, das ist das Schlimmste hier in dieser Stadt…diese aufdringlichen und teilweise aggressiven Verkäufer.
Tag 2 – Sturmflut
Nachdem wir eine SIM-Karte im Caribe Plaza organisiert haben, fahren wir nach Bocagrande. Dort ist die Hauptstation für die „Hop-On-Hop-Off“- Busse. Für uns doch eine gute Möglichkeit, einen Überblick über die Stadt zu bekommen. Ich habe mich natürlich online zwecks der Tickets informiert. Da kam Nummer 1 der kolumbianischen Masche: zur Zeit verkaufen wir keine 1-Tages-Tickets, sondern nur die 2-Tages-Tickets. Na klar… Dann nehmen wir wohl das 2-Tages-Ticket. Wie sich eine halbe Stunde heraus stellen sollte, war das nicht so unglücklich. Denn es begann zu regnen. Kein normaler Regen. Es war eine reine Sturmflut. Es regnete in den Bus, vom oberen Deck ins untere Deck. Ein Wasserfall strömte die Treppe hinunter. Es regnete aus der Klimaanlage (ich hoffe jedenfalls, dass es Regen war). Ich habe bisher noch nie solch geflutete Straßen gesehen. Wasser stand teilweise bis zu den Knien und das nach nur 1h Regen. Es machte keinen Sinn. Wir fuhren also nur die Hälfte der Tour und stiegen an einer Haltestelle aus, um nach Hause zu fahren. Morgen ist auch noch ein Tag.
Tag 3 – ein tierisch schöner Tag mit Ausblick
Mensch, zum Glück haben wir das 2-Tages-Ticket des Busses… also geht’s heute ,direkt nach dem Frühstück, mit dem Taxi zum Castelo de Felipe. Kaum dort angekommen, werden wir auch schon von Verkäufern belagert und von einem sogar verfolgt. Doch an der Kasse zum Eingang gibt es eine Absperrung und, wie immer, auch Polizisten. Da haben wir dann unsere Ruhe – juhuu. Die Burg ist ziemlich cool und hat sogar, unterirdische Gänge, die Ben besonders gut gefallen. Es ist soooooo heiß….und schwül. Ben und ich laufen förmlich aus. Der Regenschirm erweist sich als bester Begleiter.
Im Anschluss, hüpfen wir in den (dieses Mal) trockenen roten Sightseeing Bus und fahren zwei Stationen zu den Stadtmauern. Unser Ziel ist der Centennial Park, denn hier soll es nicht nur Faultiere, sondern auch Leguane ud Affen geben. Nein, die Tiere sind hier nicht heimisch (in der Stadt), jedoch wurden sie hier ausgesetzt. Es kur Vielleicht haben wir ja Glück! Anstatt den direkten Weg zu nehmen, schlendern wir durch die historische „walled city„, um mal ein Feeling für Cartagenas Geschichte zu bekommen. Es sieht sehr hübsch aus, überall gibt es Security und Polizei, sodass keiner zu aufdringlich wird. Sehr angenehm. Die Fassaden und Gebäude sind sehr authentisch, innen aber verstecken sich edle Lokale, Läden und eben alles, was sich sonst so verkaufen lässt.
Eis essen impossible – bei 37 Grad
Wir betreten soeben den Park, als wir auch direkt ein Faultier vor uns sehen. Wie cool ist das denn? Da die Bäume hier so „niedrig“ sind (im Vergleich zu Costa Rica), kann man die süßen Tiere richtig nah betrachten. Insgesamt haben wir in diesem recht kleinen Park sicher 6 oder 7 Leguane gesehen. 2 erwachsene Faultiere und ein Baby waren uns ebenfalls gegönnt. Was wir allerdings nicht gesehen haben, waren Affen. Entweder wurden sie schon gefangen und als Haustiere missbraucht, haben den Park verlassen, oder aber sie haben sich so richtig gut versteckt.
Nach den tierischen Freuden, machen wir uns auf den Weg zurück in die walled city und laufen in Richtung des Plaza Trinidad. Ja, die Altstadt ist wirklich ein netter Ort. Wir entdecken auch das Museo Naval de Cartagena (Museum der Seefahrtsgeschichte und Marine) und beschließen, dass wir das machen, wenn wieder ein Schlechtwettertag ist. Jetzt aber geht’s zum Bus und in Richtung Bocagrande, dorthin wo wir gestern die Busfahrt begonnen hatten. Nicht etwa, weil wir die Strecke zuende fahren wollten. Nein, nein…Ben hat sich gemerkt, dass dort ein McDonald’s ist. Und was gibt’s bei McDonald’s (außer Pommes)? Eis… Hachja.. Also, auf geht’s.
Während wir in Kolumbien saßen, merkte ich, dass bei mir die Luft raus ist. Der ganz ursprüngliche Plan war, dass wir Anfang bis Mitte August bei meiner Gastfamilie in den USA sein würden. Doch da dieser Plan nicht aufging und ein anderer Zeitpunkt zu kostspielig gewesen wäre, habe ich mich für einen längeren Aufenthalt in Chile und einen früheren Rückflug nach Europa entschieden. Das war vor der Reise also der Plan. Nun saßen wir in Kolumbien und meine Gefühle gingen in alle Richtungen. Chile würde richtig cool werden, vor allem die Atacama Wüste. Noch 4 Wochen bis wir Marco wiedersehen und gemeinsam nach Marokko fliegen. Yeay. Ich würde mir wünschen, dass Ben ab und zu ein Kind zum spielen hätte. Was, wenn in Chile eine ähnliche Kultur wie in Kolumbien herrscht? Irgendwie fehlt etwas. Personen, mit denen ich täglich quatschen kann. Ich bin krank und mein Körper will sich nicht wirklich erholen. Ob es besser oder schlimmer wird? Irgendwie wäre ein „langweiliges“ Althegnenberg jetzt auch ganz schön. Ich glaube ich spüre zum ersten Mal so etwas wie Heimweh. Das letzte Mal, dass ich Heimweh hatte war August 2007. Ich bin hin und her gerissen und versuche in Gesprächen mit Ben herauszufinden, was für ihn gut wäre. Ben hat offenbar kein Heimweh und die Wüste fände er toll. Aber für ihn ist es auch okay, Chile auszulassen. Hm. Also eigentlich ist es ihm gleich. Mein Herz und Bauch sagen mir: Ich will in die USA und entweder doch 3 Wochen bei der Gastfamilie bis zum Rückflug ausharren, oder die Umbuchungsoptionen checken.
Bauch und Herz hatten Recht
Oft ist es so, was sich richtig anfühlt, gelingt auch. Zumindest war es in diesem Falle wieder so. Als ich (nach Umwegen) mit Airfrance telefoniert habe, konnten wir für nur 100€ unseren Flug auf Juli umbuchen. Welch ein Glück, zuvor hatte ich für Umbuchungen bereits 1500€ hingeblättert! Ich werte dies als ein Zeichen. Nun musste nur noch geklärt werden, ob wir noch zur Gastfamilie fliegen, oder in Miami bleiben. Die Entscheidung fiel aufgrund der ätzenden Flugverbindungen auf Miami. Ich war traurig, dass nach Tupelo zu fliegen, ein zu aufwendiger und komplizierter Plan ist. Als ich mit meinen Gasteltern telefoniere, sagten sie mir: Wir werden einen Plan schmieden. Na dann schauen wir mal, wie der aussehen wird.
Wir „genießen“ währenddessen also unsere letzten 3 Tage zwischen Pool und Essen (ich leider mittlerweile mit einer Bronchitis) und freuen uns auf den 7. Juli, der Tag an welchem wir nach Miami aufbrechen!
7. Juli – Aufbruch in die USA
Ich freue mich. Sooo sehr. Ben auch. Trotz meines nicht vorhandenen Wohlbefindens, sitze ich mit einem breiten Grinsen im Flieger. Als wir dann gelandet sind, fühle ich mich, als würde ich nach Hause kommen. Es gibt viele Grüne die USA nicht zu mögen, aber es gibt auch sehr viele sie zu mögen. Ich habe hier so unfassbar wertvolle Menschen um mich herum gehabt. Wäre ich hier nicht in der High School und bei meiner tollen Gastfamilie gewesen, würde meine Persönlichkeit sehr sicher nicht sein, die sie heute ist. Hier habe ich gelernt, dass Geben toller ist als zu nehmen. Hier habe ich gelernt, was es bedeutet eine Community zu sein und füreinander zu sorgen. Hier habe ich gelernt, dass im Leben nichts ohne Grund geschieht. Hier habe ich gelernt, dass an Chancen zu glauben, nicht an Unglück. Hier wurde mir vor gelebt, dass man gibt, ohne zu erwarten. Was meine Gastfamilie mit mir durchlebt hat und wie wahnsinnig nachsichtig, geduldig und großzügig sie gewesen sind. Ich war kein Gast, sondern wie ihre Tochter – in allen Hinsichten. Ich werde ihnen auf ewig dankbar sein. Es gibt vieles, das ich in den USA nie ganz nachvollziehen werden kann, aber das beruht wohl auf Gegenseitigkeit.
Wir holen also unseren Mietwagen, decken uns bei Walmart ein und fahren in unser Appartment. Voller Vorfreude gehen wir ins Bett, denn: übermorgen würden Bubba und Deanna landen und 4 Tage bei uns sein.
15 Tage in Costa Rica liegen nun hinter uns und meine Gefühle sind ein einziges Durcheinander. Von „Wow“, „oh mein Gott“, „ich könnte heulen vor Glück“, „ich will nach Hause“, „eigentlich ist es doch gar nicht so anders“, „hm, das Leben hier könnte ich glaube ich nicht“ bis hin zu „das fühlt sich nicht richtig an“ war alles dabei. Doch dazu weiter unten mehr.
die Route – 200km – 15 Tage
Unsere Route würde ich beim nächsten Mal kaum abändern. Allerdings würde ich noch Nicoya (südlicher) entdecken wollen. Daher ist meine Empfehlung: für Costa Rica braucht man 3 Wochen, wenn man nicht alle 2 Tage woanders schlafen möchte und ein Mix aus Abenteuer & Entspannung sucht. Da wir (primär Ben und Ich) 3 Monate unterwegs sind, reisen wir zu jeder Zeit auf Budget. Will heißen, ich habe Unterkünfte gebucht, welche
eine praktische Lage haben (Spielplatz in der Nähe, Supermarkt fußläufig, Flughafenanbindung per Bahn/Bus oder günstig per Taxi)
meist direkt am Pool/ Meer oder fußläufig sind
die Anbindung easy ist
ein eigenes Bad haben, oder extrem gut bewertet sind, wenn geteilt
Das Gebiet ist riesig, La Fortuna der wohl beliebteste Ort. Wir hatten nur 2,5 Tage und ich denke 3-4 Tage wären angemessener. Allein wegen des Regens braucht man etwas Puffer, wenn man Aktivitäten hat, die man unbedingt machen möchte. Allerdings ist auch Monteverde sehr begehrt, was Ziplining und Animal Watching angeht, man könnte es also auch gut aufsplitten. Dafür hatten wir jedoch zu wenige Tage übrig.
Unterkunft: El Secreto Hotel La Fortuna
Wie lange und wohin an der Westküste?
Wir haben an der Westküste nur ca. 18km Radius um Playa del Coco entdeckt. Unsere Unterkunft im Pacifico war fantastisch und ich würde es sofort wieder buchen. Die Poollandschaft war so gigantisch, dass es eigentlich jeden Strand überflüssig macht. Für Familien ein absoluter Hit. Auch der Whirlpool war richtig klasse. Wir haben uns zu 100% wohl gefühlt. Playa Hermosa (12 Min mit Auto) fanden wir aber schöner als den Strand vor Ort. Das nächste Mal würde ich gerne Tamarindo bzw. die Playa Grande Region erleben.
Wir haben 7 Tage an einem Ort verbracht, das war auch ideal, um einfach mal anzukommen und runter zu kommen. Hier hätte ich gerne noch 7 Tage extra gehabt, um Nicoya oder Tamarindo zu erkunden.
Ich bin pro Alajuela. Diese Stadt ist neben San José, der Flughafen ist genau dort und die Stadt ist sehr angenehm. Kurze Wege überallhin, es fühlt sich viel sicherer an als San José. Die Lage ist perfekt, um in andere Richtungen zu fahren. Die Stadt hat schöne und saubere Spielplätze, Einkaufsmöglichkeiten, etc.
Auto fahren in Costa Rica
Bloß keine Angst vor dem Autofahren in Costa Rica. Es ist absolut gesittet, super easy und alle wichtigen Straßen sind ohne 4WD befahrbar. Wer etwas abseits unterwegs ist und nicht asphaltierte Straßen erkunden möchte, sollte sich Allrad gönnen. Denn eins hat Costa Rica überall: kleine bis 1m2 große Schlaglöcher. Auch auf Highways, das heißt, auf nicht asphaltierten Straßen wird es sportlich (wir können es aus eigener Erfahrung bestätigen). Zum Tanken muss man das Auto nicht verlassen, sondern es gibt einen Service. Das war ziemlich entspannt. Auch fanden wir, dass die Preise nahezu überall gleich waren, anders als in Europa. In La Fortuna war es genauso teuer wie in der Pampa oder an der Küste.
Costa Rica mit Kindern?
Unbedingt. Für die Kids gibt es so viel zu sehen. Es ist unvergesslich und so vielfältig: Regenwald, Bilderbuch-Vulkane, Traumstrände, Dschungelfeeling, exotische Tiere….für Ben war es ein Paradies und er war richtig traurig, als wir weiter geflogen sind.
Wie schlimm ist die Regenzeit?
Jetzt nach Abschluß der Reise können wir sagen, dass wir an 13 von 15 Tagen Regen hatten. Allerdings waren davon nur 3 Tage langanhaltender Regen. 3 Tage Niesel, an den restlichen Tagen hat es sich auf Nachmittage/ frühen Abend und Nacht verteilt – mit stundenlangen Regenpausen. Also halb so wild ;-)
Der erste Eindruck
Die ersten 3 Tage in San José waren sehr eindrucksvoll. Ich/ wir waren einerseits schockiert über die Zustände, wie die Menschen hier leben. Was für arme, verdreckte und wirklich gruselige Gegenden wir gesehen haben… Andererseits fährt man 8 Minuten mit dem Taxi/ Uber und man ist in der noblen Welt der „Reichen“, wo kein Krümel auf dem Tisch zu finden ist. Costa Rica ist bekannt und berühmt für seine Nachhaltigkeitspolitik, doch im Downtown-Viertel und in vielen, vielen anderen Vierteln auch, ist das nahezu unvorstellbar. Es scheint aussichtslos und nicht vorstellbar, dass hier künftig keine schwarzen Stinkwolken aus den Autos kriechen, bzw. die Leute vom Müll befreit sein sollen. Am Abend habe ich mich auch sehr unwohl in Downtown gefühlt.
Der zweite Eindruck
Auf dem Weg nach Tortuguero sind wir dann (im Nordwesten San Josés) auch durch andere sichere und ansehnlichere Nachbarschaften gefahren. Es war ein Wechsel von Wellblechhütten, 50m2 Steinhütten mit kleinem Vorgarten (Mittelklasse) und „Luxushäusern“ sowie ganzen Ranches. Manche Orten schienen sehr entwickelt mit sämtlichen bilingualen Schulen, kleinen Universitäten, sauberen Spielplätzen und „normale“ Restaurants. In anderen Gegenden, will man gleich die Autotüren verriegeln und auf grüne Ampeln (wenn’s welche gab) hoffen. Die entwickelten Gegenden waren meist in der Nähe von Plantagen oder eben Touristenzielen, wie z.B. Cariari. Land kostet nicht viel (25-40$ pro m2) und wer es schafft, etwas Land zu kaufen und es für einen Touristen attraktiv zu machen, ja der hat sogleich seine Tür zum besseren Leben geöffnet. Das gelingt aber eben nur den wenigsten. Unser Guide David (Tortuguero El Rustico Lodge) hat das Glück das seine Frau bei der Sozialversicherung arbeitet und er hat keinen Job. Sein Job ist es, die Hütte zu vermieten, Gastgeber zu sein und Zuhause (in Cariari) den Garten zu bewirtschaften. Ganz viele Ticos haben einfach nur Land, auf welchem sie z.B. Ananas, Kokosnüsse, Bananen, Avocados, … produzieren und dann entweder am Straßenrand verkaufen oder manchmal sogar in den Export geben. So reicht das Geld für das einfachste tägliche Leben.
Was machen die Menschen den ganzen Tag?
Diese Frage haben wir uns täglich, oft mehrmals täglich gestellt. Wir hatten den Eindruck, dass die Leute alle nur im „Vorgarten“ hinter ihren Gittern saßen, am Straßenrand (oft im Nirgendwo) mit ihren Avocados, Kokosnüssen oder anderem Obst standen und das war’s. Neben den „supermercados“ sah das so fehl am Platz aus. Geht noch jemand bei diesen Locals kaufen? Es scheint, es ist ein Kampf um den Erhalt der Traditionen, welche den Ansprüchen der (scheinbar) vorrangig amerikanischen Investoren/ Einwanderern gegenüber stehen. Wer die amerikanische Kultur kennt, weiß das das heißt. Es muss am besten alles an einem Ort sein, convenient, groß, nice, clean und die Kreditkartenakzeptanz am besten bei 100%.
Bei unseren Gesprächen mit David habe ich herausgefunden, dass Costa Rica mittlerweile ganz groß im IT Business und Tourismus ist. Darüber hinaus boomt der Immobilienmaklersektor zunehmends. Das Handwerk der Ticos gelangt also immer weiter in den Hintergrund und der westliche Lebensstil nimmt stetig zu. Da werfen sich bei uns zwei Fragen auf:
Wird Costa Rica es schaffen, Tradition, Bescheidenheit und das Glückland schlechthin zu bleiben? Oder werden sie doch dem Geld der Investoren und des vermeintlichen Reichtums zum Opfer fallen?
Wir haben nur einen Bruchteil des Landes gesehen. Aber, wenn ich sehe was da für krasse Villenlandschaften, Hotelketten entstehen, die Preise für die Touren sehe, dann frage ich mich doch: wie soll ein normaler Tico überhaupt noch finanziell überleben? Wir haben auch David und Osman gefragt, was sie darüber denken und die Antwort hat mich überrascht. Osman meinte, dass alle Investoren (das sind vor allem Amerikaner), die hier Land kaufen, Jobs bringen. Denn jede Villa braucht ja seine Gärtner…jede Unterkunft Rezeptionisten…jedes Restaurant seine Kellner und Köche,….jedes Boot seinen Kapitän und jede Unterkunft/Anlage seinen Putztrupp. Osman und David meinen, es bringt dem Land nur Gutes. Dass dadurch die Grundstückspreise und Lebenserhaltkosten extrem ansteigen werden und die Ticos, die nicht ihr Land verkaufen, vielleicht bald selbst kaum ihr Leben finanzieren könnten, daran wollen sie gar nicht denken. Unsere Gefühle sind da sehr gemischt. Vielleicht schafft es Costa Rica ja seine Ursprünglichkeit zu behalten – wir würden uns das sehr wünschen. Denn dieses Land ist so wunderschön!
Mein Gefühl zu Costa Rica
Während unseres Aufenthaltes, habe ich eine Achterbahn der Gefühle erlebt. Ein gutes Beispiel ist unser Aufenthalt in Tortuguero. Für mich ist dieser Lebensstil total unvorstellbar: kein warmes Wasser, alles offen, immerzu alles feucht, nichts ist richtig sauber, man muss mit dem Boot 90 Minuten zum Hafen und anschließend eine Stunde in die Stadt fahren. Man kann sich mit niemandem spontan zum Essen, Trinken, Filme schauen, …whatever, treffen. Die Wäsche riecht nicht frisch, es regnet immer wieder in die Hütte. Es gibt keinen „richtigen“ Fußboden. Das Leben besteht aus: Aufstehen, abhängen, Gartenarbeit, ab und zu Gäste empfangen, im Internet surfen, mit dem Kanu durch den Regenwald schippern. Tagein, Tagaus. Kein Geld, um die Welt zu bereisen und andere Orte zu sehen.
Wir sind so ein konsumorientiertes und verwöhntes Volk
Mir kam der Gedanke, dass womöglich sehr viele Menschen der Welt gerne ein Leben ohne große häusliche Verantwortung führen wollen würden. Vielleicht. Vielleicht reicht das? Da kommen wir wieder einmal zur Frage „Was ist der Sinn des Lebens?“. Ich könnte nicht, wie zuvor beschrieben, leben. Mir würden die sozialen Kontakte und ein krabbeltierfreies Haus fehlen. Das war’s dann aber auch schon. Konsum ist hier ein so untergeordnetes Thema, dass man weit fahren muss, um ein Einkaufszentrum mit all Annehmlichkeiten zu finden. Was für ein Telefon man hat- egal. Welchen Fernseher man hat – egal. Welche Kleidung man trägt – egal. Ob man ein paar Fettpölsterchen hat und eben keine Modelmaße besitzt – egal. Sogar bei „Fitness-Studio-Werbung“ sind die Männer/ Frauen auf den Plakat normal aussehend. Boah ich wünschte mir soooo sehr, dass ich diesen Teil der Welt mit nach Hause nehmen könnte. Ich bin so frustriert, was unsere Gesellschaft angeht. Man muss immer perfekt und super toll wirken, alles richtig machen (obwohl das eh aussichtslos ist). Man weiß, dass alles was man tut (oder auch nicht tut) bewertet wird. Man muss sich bewerben und perfekt in das Bild eines Berufs passen, damit Menschen der Meinung sind „er/ sie ist gut“. Als wir beim Friseur in Coco waren wurden wir wieder einmal davon überzeugt, dass Optik und Können eben nicht immer im Zusammenhang stehen. Der Friseur hat dort kein Geld sich einen fancy Salon herzurichten. Für einen Stuhl, Schere, Apparat und das nötigste reicht es. Aber das war’s. In Deutschland würde man niemals in diesen Laden gehen. So sind wir eben. Nur wer optisch was hermacht, hat eine Chance.
Es ist gut zu sehen, wie glücklich viele Menschen, ohne unseren überflüssigen, Luxus sind. Ich fühle mich wieder erneut darin bestärkt, das oft auch „einfach“ ausreicht und jeder eine Chance haben sollte, gesehen zu werden.
Costa Rica hat in mir so viele Gefühle geweckt und ich habs das Gefühl, dass ich mit diesem beeindruckenden Land noch nicht fertig bin. Ein Wiedersehen ist strengstens erwünscht :-)
Ich habe keine Lust mehr auf Regen. Echt nervig. Immerzu ist alles nass, man schleppt Regencapes, Schirme und extra Schuhe mit…kann das nicht langsam mal aufhören? Auch jetzt kommen wir im Regen an, es ist bereits 18.30 Uhr und Ben ist total müde. Einkaufen müssen wir trotzdem noch, aber dann haben wir es auch geschafft.
El Pacifico – eine andere Welt
Unsere Unterkunft liegt in einer gated community. Das heißt, dass das Gelände eingezäunt und bewacht ist. In Mexiko, Afrika, Central- und Südamerika ist das sehr verbreitet. Wie auch immer. „El Pacifico“, das Areal in welchem wir leben werden…ist rieeeeeeeesig…..und wunderschön. Tatsächlich hat man eher das Gefühl sich in den Staaten zu befinden. Soo viele Amerikaner.
Es gibt hier eigene Aussichtspunkte, Villen, Villen, Häuser, Villen….und äh… Villen. Die Poollandschaft ist grandios, sie haben ein eigenes kleines „Shoppingcenter“ (absolut verrückt..), einen eigenen Trail zum Wasserfall und einen schönen Spielplatz. Es ist alles so gepflegt, immerzu arbeiten alle, bepflanzen, wässsern, etc. Die Ticos sind super freundlich und man hat den Eindruck, dass sie dankbar sind einen sicheren und gut bezahlten Job zu haben. Vielleicht ist dem wirklich so.
Leguane ohne Ende
Wir haben nirgends so viele Leguane gesehen wie hier in der Anlage und drum herum. Weiß-graue Eichhörnchen, welche Kokosnüsse knacken und Blattschneiderameisen, die noch fleißiger waren als alle Mitarbeiter.
Endlich wieder ein „Zuhause-Gefühl“
Das letzte Mal, dass Ben und ich ein Gefühl des Zuhauseseins hatten, war auf Sao Miguel in Ponta Delgada. Also schmücken wir sein Zimmer mit seinen Postern, er richtet sich ein und das Apartment ist sogleich anerkannt. 6 Tage werden wir hier sein. Ben hat sich beschwert, dass wir die letzten Tage „nicht genug gechillt“ haben (sein Wortlaut). Unser Plan für die nächsten Tage ist also ziemlich offensichtlich: nichts tun. „Außer Pool, Meer, Tablet, Essen, Pool, Meer, Buddeln, Mama!“ Aha…okay. Marco und Ben waren damit natürlich fine, aber ich will doch immer alles drum herum erkunden. Mäh.
Neben „Chillen“ haben wir dann doch 3x einen Strand besucht und einen Schnorchelausflug unternommen
…uuuund Ben war beim Friseur. Endlich. Wenn die Sicht durch Haare behindert ist, wird es doch mal Zeit. Er war danach (für uns völlig unerwartet) total begeistert. Puh..Glück gehabt. Playa de Coco können wir gar nicht empfehlen. Klar, man kann hin laufen, aber wir waren sehr ernüchtert, als wir dort angekommen sind. Man wusste nicht worauf man im Wasser trat, aber nachdem Ben und Marco ein Taschenmesser und eine Brille unter den Füßen hervor gefischt haben, hatte ich genug. Nein danke. Enttäuscht gingen wir also zu unserem Pool. Es hat mich nicht losgelassen und ich fragte mich, ob das hier an allen Stränden so ist. Sind denn alle Fotos nur noch ein Produkt aus Photoshop und Filtern? Zwei Tage später fuhren wir also zum Playa Hermosa. Absolut zu empfehlen! Es ist super gepflegt, der Einstieg flach mit ein paar Wellen, Restaurants und Parken ist easy. Ja hier fanden wir es so schön, dass wir gleich zweimal hergekommen sind. Playa Panama hingegen war in einer kleinen Bucht. Man kam sich vor, als stünde man an einem See. Für SUP und Kayak prima. Allerdings stand das Wasser förmlich und man hat einfach nichts gesehen.
El CocoPlaya de CocoPlaya de CocoPlaya de CocoPlaya de CocoPlaya de CocoPlaya de Coco
Playa Hermosa:
Schnorchelausflug ohne Recherche
Ich habe mich darauf eingelassen, einen ungeplanten Schnorchelausflug zu buchen. Ben und ich wurden gelockt mit Papagayo Buchten, Seepferdchen, Korallenriff usw. Naja, ich spoiler gleich mal drauf los: Adventure Rentals von Greddy sind nicht zu empfehlen. Die Bootsfahrt war lahm, lang und der Strand an, welchem wir hielten, mit Korallen übersät. Dass hier kein lebendiges Riff auf uns warten kann, ist mir schon jetzt klar. Vom Boot aus sah alles ganz nett aus. Im Wasser war es „dreckig“. Nein kein Müll. Aber hier wurde eben alles von Stöckern bis Blättern angespült und aufgewühlt. Das „Riff“ haben Ben und ich erst übersehen. Das lag wohl daran, dass es kaum zu sehen und tot war. Immerhin haben wir einen kleinen Fischschwarm gesehen. Das war’s aber leider auch. Ben und ich waren beide enttäuscht. Da hätte man doch einfach im Meer anhalten können und man hätte wohl mehr gesehen. Denn was offensichtlich ist: Das Unterwasserleben muss grandios sein. Auf der Faht sind große Rochen aus dem Wasser gesprungen und Sportfischen ist hier ganz groß. Leider durften wir davon aber nichts mitbekommen. Mein Fazit: ich recherchiere doch lieber. Spontanität zahlt sich für mich nicht aus.
Zum Thema Regen
Offenbar hat der liebe Wettergott mich/ uns erhört. Ich gebe zu, es war auch Meckern auf hohem Niveau. Eigentlich war es so:
Es regnet nachts. Es regnet dann meistens Nachmittags ab 14 Uhr wieder. Eine kleine Pause am frühen Abend und dann geht’s weiter. Nicht immer, aber oft lief der Tag genau so ab. Immer? Nein, aber wir sind hier in der Regenzeit. Tatsächlich bekommt man auch recht schnell ein Gefühl dafür, ob die schwarzen Wolken, welche sich regelmäßig hervor schieben, sich über einem ergießen werden, oder tendenziell vorbei ziehen. Überrascht wurden wir nur einmal, der Rest war absehbar. Aber wow, wenn es erst einmal so richtig schüttet, dann hilft kein Schirm, keine Regenkleidung und oftmals auch nur Geduld. Das Schöne ist: es ist warm, sooo schön warm. Man friert auch selten in den nassen Klamotten.
Doch wir hatten täglich mehr Glück.
Wir hatten zwischendrin Tage, an denen es kaum regnete, und wenn dann heftig, aber kurz. Unsere letzten 4 Tage waren (gespürt) so gar keine Regenzeit mehr. Der Regen war zwischendurch nur Nieselregen. Also konnte man einfach im Pool bleiben. Ob von unten oder von oben nass, macht ja auch kaum einen Unterschied.
Lieber nicht in der Regenzeit nach Costa Rica?
Dem würde ich nicht zustimmen. Der Regen hat etwas magisches, wenn auch manchmal nervig, wenn man etwas geplant hat. Doch diese Regenfälle sind auch eine beeindruckende Erfahrung, mal ganz zu schweigen von den grandiosen Nebelbänken. Costa Rica ist so, so, sooo grün. Es ist fast unwirklich. Stille gibt es nirgends. Entweder die Vögel zwitschern, die Affen brüllen, der Regen prasselt nieder, oder das Zirpen zieht seine Aufmerksamkeit auf sich. Da sich der Regen fast überall zu jeder Zeit spontan ankündigen kann, muss man das Leben eben nehmen wie es kommt. Eine wertvolle Lektion und Einstellungssache zugleich.
Wenn man all das Grün sieht, kann man sich kaum vorstellen, dass auch in Guanacaste im Sommer Cowboyfeeling und Dürre herrschen kann. Costa Rica hat aber mehrere Klimazonen, wie ich zuvor recherchiert habe. Wenn man also in jeder Saison „Trockenheit“ möchte, dann ab an die nördlichste Pazifikküste. Wer ein Mix (wie es bei uns war) willkommen heißt, ist in der nördlichen bis zentralen Pazifikküste auch gut aufgehoben. Wer Strand, Sonne, Wettergarantie will, sollte einfach nicht herkommen. Dann verpasst man jedoch ein beeindruckendes und wunderschönes Land.
Essen und & Einkaufen in Coco
Hier gibt es alles. Von Amerikanisch, Chinesisch bis hin zu Peruanisch und natürlich traditionelle Kost. Was es auch gibt: hohe Preise und mittelmäßige Geschmackserlebnisse. Voll untypisch für uns, sind wir am Ende bei Jummy Diner gestrandet. Dieses amerikanische Diner war so lecker, sauber und die Preise waren okay. Ich glaube, wir hatten noch nie so knusprige Pommes gegessen haha… . Klar, wir haben auch andere Restaurants probiert, aber irgendwie war es einfach nur touristisch. Zuvor hatten wir so leckere landestypische Gerichte gegessen. Hier aber war das etwas anders. Also haben wir zu Großteilen selbst gekocht. Einkaufen kann man auch so ziemlich alles, was man dazu braucht. Souvenirläden sind Reihe an Reihe und ganz wichtig „only the best prices!“ ;-). Herrlich.
Import und Export
Costa Rica legt größten Wert darauf, so wenig wie möglich zu importieren. Sie produzieren sehr, sehr viel selbst. Obst und Gemüse sowieso, Reis, Getreide, und auch viele Convenience Produkte sind dabei. Allerdings gibt es sehr wenig Fertigprodukte. Auch Ahornsirup und Honig wird selbst hergestellt. Die heimischen Avocados und Mangos sind super lecker, Orangensaft gibt es an jeder Ecke. Nahezu jedes Gericht enthält Fleisch oder Fisch als Beilage. Wo wir bei den Tieren wären. Wir haben super viele frei lebende Rinder gesehen – das hat besonders mich glücklich gemacht. Da Land hier sehr günstig ist, scheint das auch noch weitgehend unproblematisch und standard zu sein. Hoffentlich bleibt das so. Körperpflegeprodukte waren offenbar eher Importware. Ich war erschrocken, wie teuer Bodylotion, Shampoo und Körperseife sind. Unter 4 Euro geht hier gar nichts. Vermutlich gibt es da Geheimtipps, in deren Genuss wir aber nicht gekommen sind.
Wir haben gute 3 Stunden Fahrt vor uns, die wir wieder mit einem Zwischenstopp verbinden wollen. Der Weg führt uns zum Rio Seleste, welcher durch den Parque Nacional Volcan Tenorio fließt. Etwas planlos kommen wir an und stehen vor dem Eingang zum Nationalpark. Wohin der Trail führt? Keine Ahnung. Wie lange der Trail ist? Keine Ahnung. Aaahh..okay ca. 3 km hin und 3 km zurück. „Okay und wie lange braucht man da so?“ „Ja so gute 3 Stunden“. Ähm okay. Das zeigt wieder einmal, Vorbereitung ist alles. Egal, wir stürzen uns ins Abenteuer und laufen (wohin auch immer :-) ). Für mich ist es ungewohnt so planlos durch die Welt zu marschieren, aber ohne Plan hat man eben auch keine Erwartungen. Vielleicht ist das gar nicht so schlecht. Wir sind extremst motiviert und laufen höchst aufmerksam den Trail entlang. Denn immerhin soll es hier eine Unmenge an Tierarten geben. Kleiner Spoiler: Wir haben außer drei Echsen einfach mal gar nichts gesehen. Jetzt möchte man meinen, mit einem Guide ist das anders. Vielleicht. Allerdings haben wir auch andere gefragt und sie haben kein Tier gesichtet. Schade, denn die Gegend ist vor allem für Tapire bekannt.
Und da steht einfach plötzlich meine Sitznachbarin aus dem Flieger vor mir
Wir haben etwas mehr als den halben Weg hinter uns und einen ziemlich schönen unwirklich blauen Wasserfall samt Lagune gesehen, da geschieht es. Da steht doch tatsächlich unsere Sitznachbarin aus dem Flieger von Paris nach San José vor uns. Das kann doch nicht wahr sein. Es gibt hier sooo viele Nationalparks und so viele Exkursionen. Und da steht ausgerechnet sie vor uns. Notiz am Rande: im Flieger saßen mehr als 250 Personen. What are the chances, really?! Es war jedenfalls ein lustiger Moment. Als ich sie fragte, wie weit es noch ist und ob es sich lohnt, meinte sie: Ich glaube so 10 Minuten und es ist ziemlich schön, wie das Wasser wechselt (von blau zu dunkel). Nagut…die 10 Minuten.
Weiterhin motiviert und vollkommen verschwitzt, steigen wir also weiter bergauf. Zum Glück sind wir im Regenwald und es ist meist schattig. 10 Minuten sind schon lange vorbei und die nächsten Passanten teilten uns mit, es ist nur noch 1 km. Aha, 10 Minuten, huh? Dann waren es nur noch 300m …also komm´, jetzt können wir auch wirklich noch weitergehen. Just in den Moment, als wir unten an der wunderschönen blauen, nach Schwefel stinkenden sprudelnden Lagune angekommen sind, beginnt es zu regnen. Halb so wild, oder?
3 km Rückmarsch in schwimmenden Schuhen und Sturmflut sind schon ein Erlebnis
Der Regenwald macht seinem Namen wieder alle Ehre. ALLES hat getropft…die Schuhe waren wie kleine swimming pools … na zum Glück habe ich mein Regencape eingepackt. Letztlich saß Ben nackig im Auto…ein Bild für die Götter….haha. Ein sehr lustiges Erlebnis. Ihr werdet mir verzeihen, dass das Fotografieren während unseres Regenabenteuers nicht möglich war… ;-)
Etwa 14.30 sind wir in La Fortuna angekommen. Dieser Ort ist vor allem eins: touristisch. Klar, immerhin ist hier der aktivste Vulkan Costa Ricas und der Regenwald hat einiges zu bieten. Von Kaffee-, Kakaotouren bis hin du Ziplining, Hängebrücken, Rafting ….usw. gibt es einfach alles. Wir haben nur 2 Tage Zeit und haben uns für eine Tour auf der Kakaoplantage und für Ziplining entschieden.
La Fortuna – sauber, sicher und wundervolle Ausblicke
Was einem sofort auffällt: es ist hier sehr sauber. Das bezieht sich auf die Straßen und die meisten Restaurants. Es gibt unzählige Souvenirläden, welche alle sehr teuer sind und überall das gleiche verkaufen. Restaurants gibt es in jeder vorstellbaren Geschmacksrichtung. Die Durchschnittspreise in La Fortuna sind etwa 2€ für Kaffee, 1,30-2,00€ Wasser, Kindergerichte für 4-5€, Erwachsenenhauptgericht 6-10€ (5.000-7.000 Colones), Bier 3,50-4,50€. In „Sodas“ (kleinen landestypischen Restaurants bzw. Bistros) ist es etwas günstiger und oft sogar leckerer, als in internationalen Restaurants. Aber das war ja bisher in den meisten von uns bereisten Ländern genauso.
Sehr praktisch sind die Laudries (Wäscherei) im Ort. Die Hotels (zumindest unseres) nutzen diese offenbar genauso für ihre Gäste. Es gibt keine Waschautomaten, die man selbst bedient, sondern ausschließlich den Wäscheservice. Da wir jede Menge Wäsche gesammelt hatten und wir (nach dem vorherigen Abenteuer) das Bedürfnis hatten auch die Decken zu waschen, war es einfach perfekt. 2.000 Colones (2,70€) pro Kilo und wir hatten gute 2h später unsere frisch gewaschene Wäsche zurück.
Wenn man so richtig viel Geld loswerden kann (und will), bucht man eben Rafting, Ziplining, Hängebrücken für 170 Euro pro Person. Vielleicht noch eine Quadtour für 65-85 Euro pro Person und….mir würde noch so einiges einfallen. Für uns definitiv ein bisschen drüber und vermutlich auch too much für Ben.
Unsere Unterkunft „Hotel Secreto la Fortuna“ war 3 Minuten zu Fuß vom Getummel und Gewusel. Wir hatten also Ruhe, Idylle und zugleich all das zu Füßen, was man brauchen könnte. In einem Baum neben der Rezeption lebt offenbar ein (vielleicht auch mehrere?) Faultier(e). Beim Frühstück lassen sich Tukane beobachten, aber auch Leguane, Kolibris und andere wunderschöne Vögel.
Kakaoplantage – eine Tour, die (für Ben) langweilig begann, später zu großem Gelächter führte
Unser Guide Keylan war der Knaller. Er war Ironie in Person (das ist mir sehr sympatisch), er stänkert gerne (auch sympathisch) und seine Mimik übertrifft alles. Er war einfach so lustig, ich hatte am Abend Muskelkater in den Wangen (vom Lachen, nicht vom Schokolade essen ;-) ). Zu Beginn hat er natürlich ziemlich viel darüber erzählt was Schokolade ist, wie und wo Kakao entdeckt wurde bis hin zu den riesigen Schokogiganten (Mars, Hersheys……) und deren kriminellen Machenschaften. Ben hat kein wort verstanden, so war es für ihn anfangs langweilig. Doch als wir durch die Plantage gingen, konnte er zwei Kakaoschoten ernten und danach ging der Spaß erst so richtig los. Wir haben Bohnen in jeder Form (roh, fermentiert, geröstet) gerochen und teilweise probiert. Danach haben wir Bohnen gemahlen, Kakaopaste, einen Azteken-Schoko-Drink hergestellt, Schokolade verkostet und….getanzt. Auch Ben und ich haben sich zum Affen gemacht. Es war wirklich so so so lustig…. Ben fand es total abgedreht und der Keylan war definitiv das Highlight schlechthin. Achso, und die Schokolade…war ziemlich lecker! Ben hatte danach Bauchschmerzen, also könnt ihr euch denken wie oft er zugeschlagen hat.
Ziplining mit Kind bei La Fortuna
Ein Abenteuer wollen wir uns gönnen. Also begebe ich mich auf die Suche. Ziplining mit Kind ist allerdings eine Herausforderung. Ich habe zwei Anbieter gefunden: Ecoglide und Sky Adventures (dies ist auch die bekannteste Company, welche in La Fortuna und Monteverde einen Standort haben). Bei den meisten Anbietern heißt es ab 8 oder 1,35m. Vermutlich haben die weniger Personal oder wie auch immer. Bei Sky Adventure waren so viele Mitarbeiter überall, dass man sich richtig gut betreut gefühlt hat und vor allem haben sie immer auf Ben acht gegeben. Preislich ist der Unterschied 10€, bei 250€ macht das dann aber auch keinen Unterschied mehr… Als Ben gesehen hat, wie hoch die Zipline ist, meinte er:
„äh ne, das mache ich auf gar keinen Fall.“
Doch. Gesagt, getan. Ben war anfangs sehr skeptisch. Doch er fand es MEGAAAAAA. Die erste und letzte Line ist er sogar allein gefahren. Er war sehr stolz auf sich und hatte mächtig Spaß. Wir auch. Bis es zu regnen begann. Das war dann mittelmäßig cool. Tatsächlich tut Regen bei ca. 45km/h echt weh…haha. Nach der 5. Line mussten wir (zum Glück überdacht) pausieren. 40 Minuten. Langweilig war es kaum, denn zu Gesicht bekamen wir eine kleine, aber außerordentlich giftige Schlange und ein krasses Gewitter. Regenwald war Programm. Der Regen ist noch nicht einmal so heftig wie in der Regenhochsaison, aber schon jetzt sehr beeindruckend. Man kann sich schwer vorstellen, wie so viel Wasser in so kurzer Zeit vom Himmel regnen kann. Ich weiß nicht, ob ich für 250€ noch einmal Ziplining machen würde, aber es war definitiv ein unvergessliches Erlebnis, bei welchem wir alle richtig Spaß hatten! Gedauert hat es ca. 2h.
Leute, die Rückfahrt mit dem Boot war so verrückt. Die Hin- und Rückfahrt haben nur eines gemeinsam: wir haben Krokodile gesehen. Das war’s dann aber auch mit den Gemeinsamkeiten. Das Ufer sah ja nicht einmal mehr gleich aus. Nur 3 Tage sind vergangen und der Regen hat es geschafft, dass:
Sandbänke verschwunden sind
Bäume nur noch anhand der Baumkronen als solche zu erkennen sind (die Stämme sind nahezu komplett vom Wasser verschlungen)
Hütten unter Wasser stehen
umliegende Acker geflutet sind
Unmengen an Treibholz (und ich rede hier von Stämmen mit einem Durchmesser von 40-80cm) im Fluss schwimmen
ganze Bäume (!) in der Flut mitgerissen werden
die Strömungen so krass sind, dass es schwer ist voran zu kommen
Jaja ist klar, Regenzeit und so. Aber innerhalb von 3 Tagen von „Ruhe“ zu tosenden Strömen….das ist schon beeindruckend. Einige Boote sind wie durchgeknallt gefahren, andere Boote maßlos überfüllt umher geschippert und dann kam ein Kracher: Mitten im Fluss schwamm ein riesiger, wirklich riesiger Baum. Er war schätzungsweise 20-25 m lang, samt Wurzel, und schwamm fast horizontal im Fluss. Es war ein großes Glück, dass die Boote ihm ausweichen bzw. rechtzeitig bremsen konnten. Die Strömung war so schnell und heftig, dass das echt böse hätte ausgehen können. Welch Naturgewalt.
Auch am Hafen war alles unvergleichbar zu vor 3 Tagen. Es war unfassbar voll mit Booten und Menschen. Was für Menschenmassen dort warteten. Als wir ankamen, war es nahezu leer und idyllisch. Jedenfalls hat man so mal beide „Zustände“ erlebt.
Es war 10.30 Uhr und wir haben 170 km (ca. 3h reine Fahrzeit vor uns). Das heutige Ziel: La Fortuna, ganz nahe des Vulkans „Arenal“. Auf dem Weg dorthin haben wir nahezu keine Stopps gemacht, außer für unser Mittagessen. Dieses war aber auch erstaunlich gut, obwohl direkt am Highway gelegen und wir da schon von vorne herein nicht allzu viel erwarten. Ich habe ein neues Getränk für mich entdeckt: Cas. Diese kleine tropische Frucht ist wirklich lecker. Die Leute hier trinken primär entweder tap water (also Leitungswasser, welches in Costa Rica fast überall hervorragende Trinkqualität aufweist) oder aber bibidas frescas (Saftschorlen mit einheimischen Früchten). Cas ist eines davon und ich mag es sehr.
„Wie spät ist es?“ „9.50 Uhr.“ „Was? Und was machen wir jetzt?“ „Keine Ahnung…noch einmal baden gehen?“
Wie lange ist es her, dass ihr euch gelangweilt habt? Ich tippe mal auf…..gar nicht? Oder zumindest ist das schon sehr lange her. Das trifft zumindest auf mich/ uns zu. Langeweile ist ein Luxus, den die meisten von uns heute gar nicht haben, vielleicht nicht einmal mehr kennen. Wir jedenfalls, haben uns heute mal so richtig gelangweilt. Wir waren teilweise richtig überfordert mit unserer freien und unverplanten Zeit. Ben hatte natürlich immer eine Idee: buddeln, baden, Tablet, essen, buddeln, baden, Tablet, essen, buddeln…… und ihr wisst schon wie es weiter ging.
Als wir morgens am Strand standen, war mein verträumtes, naives Ich erschrocken darüber, dass „mein sauberer“ Abschnitt mit neuem Müll bestückt war. Es ist ein Trauerspiel. Ich konnte einfach nicht anders und habe mich wieder ans Sammeln gemacht und der Müllberg wuchs. Einfach verrückt. Ein Tropfen auf den heißen Stein, aber vielleicht auch einfach 50m mehr für die Eiablage der Meeresschildkröten.
Es dauerte nicht lang, da sind die Nachbarsjungs dazu gekommen. Auch wenn keine Kommunikation stattfindet (außer zwischen Damian und mir so halb), fanden die Kinder es doch spannend mit uns „Ausländern“ abzuhängen. Also haben wir gemeinsam Sandburgen und Vulkane gebaut, haben Wellen besiegt und so weiter. Wir Spießerbürger in Badesachen, die Tico Kinder eben in Hose, T-Shirt und Co. Die Mama hat sich später sicher gefreut….haha.
„Wie spät ist es?“ „14.30“ „Waaas? Wie kann ein Tag nur so lang sein?“ „Keine Ahnung. Aber ich sage dir, was ich jetzt mache: schlafen.“
Ich führte ein Nickerchen nach dem anderen…boah war das super.
17 Uhr haben wir beschlossen, doch noch einen Spaziergang mit Osman zu machen. In der Hoffnung Schildkröten“nester“ zu entdecken und einen Grund zu haben, nachts Ausschau zu halten. Bis auf zwei geplünderte Nester fanden wir allerdings nichts. Es ist eben Zwischensaison. Zudem fing es so richtig schön zu regnen an, weshalb der Spaziergang dann doch wieder ein schnelles Ende nahm. Der Abend war ziemlich gesprächsreich. Es war so interessant zu erfahren, wie und wo David lebt, was 1m² Land in Costa Rica kostet (haltet euch fest: 15-25$!!!), wie die Ticos über Einwanderer, Investoren und das Leben denken.
Hätten wir lieber im Tortuego Dorf die Unterkunft nehmen sollen?
Auf gar keinen Fall. Was anfangs ein echter Schock war und sich mir die Frage aufwarf: „Was habe ich mir bloß dabei gedacht, als ich diese Unterkunft gebucht habe..?“, entpuppte sich als echte Lifetime- Experience. Es gibt so viele Gründe, weshalb wir alles richtig gemacht haben. Wir sind uns einig, dass 3 volle Tage gereicht haben. Allerdings müssen wir zugeben, dass wir niemals solch einen Einblick in das echte Leben der Ticos erhalten hätten, wären wir im touristischen Tortuego Pueblo gewesen. Was wir in diesen Tagen über Land und Leute und deren Gefühle gelernt haben, ist unbezahlbar. Diese Ruhe, Abgeschiedenheit und Exklusivität war entschleunigend und einzigartig. Unsere Bootstour war so individuell und liebevoll wie keine gebuchte Gruppentour es hätte werden können. Das Gefühl des „Homestays“ und das „integriert sein“ waren zwischenmenschlich sehr wertvoll. Außerdem fiel uns auf der Rückfahrt am 4. Tag (17. Juni) auf, dass die Boote vom Tortuego Pueblo voll die Massenabfertigung waren. Ein Boot beförderte die gefühlt 100 Koffer. Und die anderen Botte waren bis auf den letzten Platz besetzt.
Es ist unmöglich diese 3 Tage jemals zu vergessen. Menschlich und naturbezogen war diese Zeit so echt und mit Gefühlen gefüllt, wie es selten der Fall ist. Dankbarkeit und ein Lächeln werden uns lange begleiten.
Wie zuvor beschrieben: unsere Nacht war noch vor 5 Uhr beendet und der Tag begann mit einem warmen Bad im karibischen Meer. Wir fangen an, uns zu aklimatisieren und versuchen die Häuslichkeiten so zu nehmen, wie sie eben sind. Es ist teilweise so absurd. Du sitzt am Tisch und plötzlich laufen hinter dir Hühner mit Küken ins Haus und drehen ihre Runden.
Verpflegung
Was man bei der Hütte mit buchen kann (und definitiv auch sollte) ist die Verpflegung „full board“. Catharin, im Prinzip die Nachhbarin, hat uns täglich 3x bekocht. Für Ben haben wir Brot, Marmelade, Milch sowie Müsli mitgebracht – tatsächlich gestaltet sich sein Essverhalten während der Reise ziemlich schwierig. Catharin ist ein Herzstück und hat doch tatsächlich versucht für Ben eine „Extrawurst“ zu kochen. Von Pancakes bis hin zu handgemachten Pommes und Pancakes hat sie es probiert. Leider nur mit halben Erfolg. Wir wissen nicht, ob er aus Prinzip fand, „dass alles komisch“ oder „anders“ schmeckte, oder ob es tatsächlich so war. Whatever. Wir haben ihr gesagt, dass sie nicht extra für ihn kochen soll, denn am Ende schmeißen wir alles weg und das ist viel zu schade.
Kayaktour durch den Regenwald
Nach einem reichhaltigen Frühstück beschließen wir eine Bootstour zu machen. David und Osman bereiten also das Boot vor, während wir uns zusammenpacken. Bislang ist es zwar bewölkt, aber nach Regen sieht es noch nicht aus. Nicht, dass man das so wirklich voraussagen könnte, aber es zeichnet sich ab, dass es eher ab dem frühen Nachmittag oder nachts regnet. 9.30 Uhr sind wir startklar und hieven das Boot zur Lagune, um in den Fluss zu setzen. Canello, der kleine Hund von David folgt uns. Und Leute, ich sage euch eins: dieser Hund ist crazy! Er hat uns die gesamten 2h begleitet – IM Wasser…hat die Affen zusammen gebellt …Leguane gejagt und so weiter. Erst die letzten 45 Minuten begab er sich dann doch zu uns ins Boot. Vielleicht ist ihm dann endlich in den Sinn gekommen, dass Kaimane nicht die besten Buddies im Wasser sind?!
AffenalarmAffenalarmCanello an Board
Es war ein Traum. Wir haben Affen gesehen, Leguane, diverse Echsen, diverse Vögel wie einen Tukan, Reiher, … Pagagaien. Die einzigen Geräusche waren die Paddel, Vögel und Affen. Leider keinen Jaguar, obwohl David uns berichtet hat, dass er schon oft einen Jaguar gesichtet hat. Er zeigte uns auch einen der Bäume, auf welchem er ihn schlafen sah.
Was wir vollkommen unterschätzt haben, war die Sonne, welche durch die dichten Wolken noch ordentlich wumms hatte. Marco hatte auch nackt noch ein Shirt hat, wenn ihr wisst was ich meine…
Dieses herrliche Wetter, später nahezu wolkenlos, hat uns nach der Tour wieder direkt ins Meer gelockt. Nunja, zumindest die Jungs. Denn ich hatte ein anderes Verlangen. Zusammen mit Osman haben wir uns seine selbstgebaute Schubkarre geschnappt und den Strand etwas vom Müll beseitigt. Es ist unfassbar, was und vor allem wie viel hier angeschwemmt wird. Auf nur etwa 50m Strand haben wir so viel Müll eingesammelt. Angeschwemmt wird der Müll maßgeblich von den karibischen Inseln wie Jamaika und Haiti. Wenig kommt von Costa Rica selbst, ein Land welches extrem nachhaltig ist – vor allem im Vergleich zu all anderen Nord- und südamerikanischen Ländern. Es ist wirklich sehr traurig und bitter mit anzusehen, wie die Meeresschildkröten, welche hier ihre Ablageorte haben, durch den Müll kriechen müssen.
Ich habe Osman und David gefragt, ob der Strand bzw. allgemein die Küste Costa Ricas ab und zu gereinigt wird und daraufhin erzählten sie uns, dass alles auf Freiwilligenarbeit basiert. Mittlerweile gibt es einige Organisationen im Land. Einmal im Jahr wird die Küste komplett gereinigt. Angesichts der Müllprobleme der Karibik ist das aber viel zu selten. Was die Einheimischen selbst sammeln, wird vor Ort verbrannt. Darüber hinaus gibt es aber mittlerweile innovate Unternehmen, welche mit Hilfe von schwer verwertbaren Plastik Betonbauteile herstellen. Mittlerweile sind diese auch ziemlich gefragt – weltweit.
Bis 16 Uhr kamen wir in den Genuss, die Idylle unter freiem Himmel zu genießen. Auch haben wir von Catharins ältesten Sohn (7) „Damian“ Besuch bekommen. Zwar haben Ben und er sich nicht unterhalten können, doch google translate hat einiges ermöglicht. So haben sie zuerst gemeinsam Fußball gespielt und später nebeneinander her ausgemalt. Dann setzte der Regen ein. Doch dieses Mal hat uns das gar nicht gestört. Vielmehr haben wir uns draußen in das Patio gesetzt und das Plätschern genossen.
Welch ein Tag. An die Umstände haben wir uns ziemlich schnell gewöhnt. Auch an die Tatsache, dass es sich nicht lohnt neue Kleidung anzuziehen. Nichts wird trocken und nichts bleibt lange sauber. Also hilft nur mehrmals am Tag duschen und so wenig wie möglich am Körper tragen. Wir fragen uns auch immer wieder: Wie das wohl ist, wenn man hier einfach lebt. An diesem mindestens 10km Küstenabschnitt gibt es nur 4 bewohnte Häuser. Wie crazy ist das? Abgeschieden zum Rest der Zivilisation , erreichbar nur per Boot. Eine Schule gibt es in San Francisco, einem Dörfchen, 15 Minuten nördlich. Erreichbar mit Boot oder über einen Sandweg per Moped. Die Menschen hier sind entweder Selbstversorger, oder aber fahren alle 14-30 Tage nach Cariari (1,5h Boot + 30 Min Autofahrt), um sich mit Lebensmitteln, Bausteilen, etc. einzudecken. Was machen die den ganzen Tag, fragen wir uns. Die Antwort ist so einfach, dass es unwirklich klingt: einfach leben. Pura Vida eben.
Dichter Nebel, LKWs im Graben und Bananen ohne Ende
Unsere zweieinhalbstündige Fahrt nach Pavona, dem Ende der Straße vor dem Nationalpark, war wieder eindrucksvoll. Bei der Autovermietung haben wir natürlich nach den Gepflogenheiten und Geschwindigkeitsbegrenzungen gefragt und es scheint, dass niemand so genau weiß wie schnell wo gefahren wird. Wir fanden das amüsant und machten natürlich Witze darüber, dass man eben so schnell fährt wie Polizei vor Ort ist. Das fanden die Ticos auch witzig, denn es ist ganz anders. Zitat:
It’s almost impossible to drive too fast, believe me.
Eine Stunde später wussten wir auch warum. Die Gründe wechselten sich ab. Entweder die Straße hätte 1m² (!!!!!) große Schlaglöcher, der Nebel war so dicht, dass 50m Sicht Luxus wären. Oder aber vor uns fuhr ein LKW mit 20-30 km/h. Wahnsinn. Und trotzdem empfanden wir den Verkehr (im Vergleich zu Asien) sehr gesittet und geordnet. Tatsächlich lag auch ein LKW im Straßengraben. Wir fuhren durch den Regenwald (wow war das ein Sound!!), durch attraktive kleine Orte, durch merkwürdige und zwielichtige Orte und an kilometerlangen Bananenplantagen vorbei. Dole und Chiquita scheinen hier „Zuhause“ zu sein. Wahnsinn, wir sind sicher 10 Minuten lang an der Chiquita Plantage vorbei gefahren. Es nahm kein Ende. Und Dole war auch echt groß. Cool waren auch die Bananenschranken.
Als wir in Pavona angelangten, waren wir überrascht. Restaurant, Parken und Toilette waren gut organisiert. David, unser Gastgeber war auch schon da. Also sammelten wir unser Zeug zusammen und gingen „an Board“. 1,5 h Fahrt durch den Regenwald lagen nun vor uns. Der absolute Hammer: schon nach 5 Minuten haben wir ein Baby Krokodil (das so gar nicht babz aussah!) gesichtet. Check ✔️ ein Wunsch von Ben ist schon einmal erfüllt. Die Natur ist so wunderschön.
An unserer Lagune angekommen, hören wir schon das Meer. Ben ist total aufgeregt. Marco und ich haben ein fettes Grinsen im Gesicht (welches nicht sehr lange anhielt). Wir laden also unser Gepäck auf den Karren, welchen Osman (der lebt hier) zum Haus schiebt.
David zeigt uns also die rustikale Hütte. Wir sind auf Basic ohne Strom und ohne Internet eingestellt. Alles gut. Ich sehe jedoch an Marcos Gesicht wie er so gar nicht amused ist. Er fand es schrecklich. Und wenn er eins nicht kann, dann ist es Lächeln trotz Unzufriedenheit. 3 Nächte. Die Toilette lädt dazu ein nichts trinken zu wollen. Die Handtücher riechen so, als hätte man sie in Lack getaucht. Moskitonetze brauchen wir nicht „aah no hay muchos mosquitos aqui“. Ja genau, glaube ich sofort, dass es hier keine Moskitos in der Hütte gibt. Also zwei Netze bitte :-). Ohje ..das kann was werden. Zu unserem „Glück“ regnet es in Strömen, also ein „rauskommen“ scheint unmöglich. Ich gebe zu, wohlfühlen ist hier eine Wunschvorstellung für unsere Lebensverhältnisse. Dann hat Osman festgestellt, dass es auch in unserem „Zimmer“ rein regnet. Da war Marcos Begeisterung gleich noch ein wenig größer. Doch das wird schon. Wir sind im Regenwald, es wird großartig, es ist anders und es sind nur 3 Tage. Drei Tage, welche wir mit positivem vibe füllen werden. Oder?
Der Übeltäter der morgendlichen Weckrufe
Die Nacht war zugegebenermaßen schrecklich. Es war laut (klar Urwald), schwitzig, eng (Ben wollte natürlich nicht in seinem Bett schlafen) und naja. Obwohl Wellengeräusche normalerweise wunderschön sind, hören sich die hier eher wie monotones Rauschen eines überdimensionalen Deckenventilators an. Meine Nacht war 4 Uhr vorbei. Aufgestanden sind wir kurz vor 6 Uhr. Der Gang zum Wasser war ein grandioser Start. Am Morgen um 6 schon im Meer zu baden ist ziemlich cool.
Wir dürfen gespannt sein wie der zweite und dritte Tag sein werden.
Juhuuu es ist wieder 5 Uhr und alle sind wach. Ich schon seit 3 Uhr, aber zum Glück gibt es audible. Heute steht das Kindermuseum „Children’s Museum“ und die City auf dem Plan. Das Museum selbst war, gemessen an den Standards in Costa Rica, richtig schön gemacht. Es hat mich stark an das Prinzip des Technischen Museums in Berlin erinnert. Es waren überall Mitarbeiter, welche den Kindern die Themen spielerisch erklärt haben, bzw. zum Experimentieren animiert haben. Wenn man in San Jose ist und Kinder hat, ist es ein absolutes Highlight. Schade war, dass einiges kaputt war und in manchen Bereichen die Belüftung unzureichend war, aber in Summe war es toll!
Und was sind wir durch gruselige Gegenden gelaufen….echt krass. Diese Eindrücke verschlagen einem ganz klar die Sprache. Darüber hinaus gehen wir doch mit sehr gemischten Gefühlen durch die Straßen. Sicher zählt das nicht zu den Dingen, die man täglich tun sollte oder gar möchte. Dennoch finde ich, dass man seine Augen nicht vor der Realität verschließen sollte. Zum Reisen gehörte für uns schon immer dazu, das wahre Leben der Landsleute zu erleben und zu hinterfragen. In ein „armes“ Land zu fliegen und uns direkt in ein Resort chauffieren zu lassen, fühlt sich einfach falsch an. Es ist sicher angenehmer, weil man sich ja nicht mit der „Welt außerhalb unserer Blase“ auseinander setzen muss. Ich persönlich glaube aber, dass wir das eh zu selten tun. Uns hilft es immer wieder dabei, zu erkennen, wie „drüber“ wir in Deutschland (nicht nur dort) leben. Wie steril, anspruchsvoll und voreingenommen wir oft zu sein scheinen. Es ist krass, wie unwichtig Konsum in Ländern ist, deren paradiesische Natur durch unseren westlichen Konsum zerstört wird. Bevor ich aber weiter ausufere, bleibt zu sagen:
In nur zwei Tagen haben wir gefühlt alle „Schichten“ gesehen. Obdachlose, „Unterschicht“, privilegierte Ticos und (vermeintliche?) „Mittelschichtler“. Von den krassesten Slums bis hin zur noblen Gegend Escazú war einiges zu sehen.
Und nein,das Schild ist kein Witz
Nun aber sind wir gespannt, wie es außerhalb San José sein wird. Morgen holen wir unseren Mietwagen ab und fahren zunächst zum Tortuguero Nationalpark. Wir werden sehr sehr rustikal wohnen und hoffen, dass wir mit dem „Standard“ vor Ort zurecht kommen ;-).
Was wir uns in Tortuguero erhoffen: Regenwaldfeeling aufsaugen, Jaguar, Meeresschildkröten, Krokodile, Tukane, Affen und Faultiere zu sehen.
Der 6. und 7. Juni, waren Tage, denen Ben entgegen fieberte. Ich aber auch ein wenig ;-). Denn worauf wir uns riesig gefreut hatten, waren Freunde, welche direkt bei uns in der Straße wohnen. Wie der Zufall es so will, sind sie zur gleichen Zeit wie wir in Portugal gewesen. Zwar eine Autostunde entfernt, aber das war ja kein großes Ding. So sind wir also mit unserer Möhre nach Santa Cruz bei Silveira gefahren und hatten zwei ziemlich schöne Tage. Ben war über glücklich und hat offenbar einen neuen Freund gefunden. Ich war happy, Susanne und Flo zu sehen. Und wie sich herausstellte, waren sie mit ziemlich tollen Freunden vor Ort, die man einfach sofort mögen musste.
Am 8. Juni war unser Flug nach Costa Rica mit 1 Tag Transitstopp in Miami geplant, daher dachte ich mir: die letzte Nacht lassen wir in einem Strandhotel gleich in deren Nähe ausklingen. Doch dann kam alles anders. Ich habe nun seit 6 Tagen nichts mehr geschrieben und lange überlegt, ob ich es überhaupt tun sollte. Nun bin ich aber zu dem Schluss gekommen, dass ich es doch tue. Wer mich verurteilen will, soll es tun. Andernfalls finden sich andere vielleicht in dem Erlebnis wieder. Am 7. Juni haben wir unseren obligatorischen Coronatest gemacht, denn ohne darf man nicht in/ durch die USA reisen. Kein anderes Land verlangt derzeit irgendwelche Tests. Als wir nach dem Test zur Küste gefahren sind und Ben sich in die Badesachen geschmissen hat, kam dann die Mail mit dem Ergebnis und mich trifft der Schlag. Ben ist positiv. Ich wusste in dem Moment nicht, ob ich schreien, heulen umkippen sollte. Dass es passieren kann, war mir klar. Aber ihm war es nicht anzumerken, daher war ich vollkommen unvorbereitet. Wir teilen Essen, Bett bis hin zu den Trinkflaschen einfach alles und ich bin negativ. Lächerlich. Nachdem ich versucht habe mich zu sortieren, ging also der Stress los. Flugumbuchungen, Versicherungsanfragen,…Notunterkunft finden…einfach alles. Ben saß nun da und musste „draußen“ bleiben und zu allen Abstand halten. „Was sollen wir jetzt nur tun?“ Wer uns kennt, weiß, dass wir während der Lockdowns und danach alles sehr genau genommen haben, meist übervorsichtig waren, uns eingeigelt und immerzu getestet haben, um niemanden zu gefährden. Tja und nun stehen wir vor so vielen Fragen: Was sollen wir tun? In drei Tagen treffen wir planmäßig Marco in Costa Rica. Hätten wir keinen Test gemacht, wüssten wir nicht einmal, dass Ben nicht gesund ist. Quarantäne gibt es in Portugal nicht. Ich gebe zu, wir haben uns an diesem und den folgenden Tagen wie Schwerkriminelle und Verpestete gefühlt. Einfach weil wir wussten der Test ist positiv. Mein Gewissen hat mich fix und fertig gemacht. Uns blieben nur 2 Optionen: wir sitzen hier fest und dürfen weiterhin tun und lassen was wir wollen, weil es in Portugal einfach niemanden interessiert. Marco sitzt alleine in Costa Rica und wir warten. Super. Oder Option zwei: wir buchen für einen satten Aufpreis direkt nach Costa Rica um und hoffen nicht erwischt zu werden. Mein Herz sagt Nummer zwei. Mein Gewissen sagt: nein, das geht nicht. Es ist unfair und ich will nicht so sein, wie es so viele machen. Gesiegt hat dann aber doch das Herz. Wie oft ich in letzter Zeit von allen Seiten gehört habe: Ich teste mich doch nicht. Stell dir mal vor, ich bin dann positiv. Dann dachte ich mir: wie viele wohl in unserem Flieger, in den Restaurants, Bussen und Zügen mit Corona gesessen haben. Egal wie man es betrachtet, fair ist das alles nicht. Für den einen ist es so, als würde man wegen einer Erkältung nicht verreisen dürfen. Wer ist denn vor Corona auf die Idee gekommen wegen einer Erkältung eine Reise abzusagen? Für den anderen, vielleicht immungeschwächten Menschen, ist es ein Risiko, weil man nie weiß wie sich so eine Krankheit entwickeln kann. Vermutlich ist es einfach unmöglich eine Fairness, die für alle fair wirkt, zu schaffen. Außer man schreibt eine Testpflicht für alle Flüge vor, damit jeder die „gleichen“ Regeln befolgen muss. Diese Gedankengänge führen zu nichts. Also, als wir dann teuer umgebucht und uns zwei Tage in unserer Notunterkunft eingeigelt hatten, hatte ich am Tag des Abfluges solch Panik. Ich dachte mir: oh gott, die haben bestimmt das Testergebnis von Ben auf dem Pass vermerkt. Hatten sie natürlich nicht, aber meine Paranoia kennt keine Grenzen – vor allem nicht, wenn sich etwas falsch anfühlt.
Ein Flieger mit 350 maskenlosen Personen
Auf dem ersten Flug nach Paris, war alles wie immer: Maskenpflicht ganz selbstverständlich. Als wir dann in den Flieger nach San José geboardet sind und darauf warten, dass es los geht, habe ich mich gewundert. Keine Stewardess mit Maske, kaum ein Passagier mit Maske. Wir die Paradiesvögel? Tatsächlich gab es keine Maskenpflicht mehr….what?! Okay… Wozu mache ich mir einen Kopf über richtig und falsch, wenn nicht einmal mal mehr eine Maskenpflicht bei über 350 Menschen, alle ungetestet, besteht? Das alles ist einfach so willkürlich und non-sense….Es ist wirklich hart, diesen Gedanken zuzulassen, aber hier ist er:
Corona ist jetzt einfach da. Wer reist, ist allem ausgeliefert. Das betrifft all das Gute und all das „Schlechte“. Wir müssen jetzt einfach weiterleben, für Freiheit danken und auf bestehende Gesundheit hoffen. Und wenn dann doch die Krankheit eintritt, welche auch immer es sein mag, so darf man hoffen, dass der Verlauf mild ist. Ob wir uns testen (obwohl wir gesund zu sein scheinen), oder es sein lassen. Es macht einfach keinen Unterschied mehr. Zumindest ist das das, was von unserer Gesellschaft größtenteils so vermittelt wird. Die Auffassung, dass die Fälle so viel weniger akut sind als zuvor, also los geht’s zurück ins normale Leben. Das einzig Sinnvolle, was wir tun können und sollten, ist wohl dass wir bei offensichtlicher Krankheit so vernünftig sind und den Schaden für andere möglichst gering halten.
Niemand spricht über Corona
Während unserer letzten 14 Tage ist mir aufgefallen, dass niemand mehr über Corona redet. Wirklich niemand. Außer man fragt direkt nach und die Gespräche sind ziemlich unterschiedlich gewesen. Von sehr aufgeregt und enttäuscht bis hin zur Egalität. Was ich ziemlich cool finde: nahezu überall ist Desinfektion zu finden. Sowohl in Portugal als auch Costa Rica. Und vor allem: die Spender sind voll. In Costa Rica wird einem im Restaurant oder Geschäft auch sogleich Desinfektion auf die Hände gesprüht, bevor man die Speisekarte o.ä. bekommt. Hier in Costa Rica tragen auch ziemlich viele Personen überall eine Maske, die Taxifahrr, Kellner etc. Man hat das Gefühl, dass man neue Hygienestandards zum neuen Alltag gemacht hat und fertig. Ich bin gespannt wie es in den nächsten Ländern sein wird.
Uns geht es jedenfalls gut, Ben ist wohlauf und die letzten Tage haben uns – vor allem aber in mir – viel geändert. Ich bin heilfroh, dass Ben so robust ist und meine Angst -zumindest gegenüber Corona- hat sich drastisch reduziert. Ob das als gut oder schlecht zu bewerten ist, lass ich mal im Raum stehen. Wer weiß was noch kommt.
Nach etwa 11h Flug, 1h Schlaf, und ca. 20h Wachzeit landen wir um 17 Uhr Ortszeit in San josé. Der Plan: wir nehmen uns ein Uber für 6.000 colones (ca. 8€) zum 25 Minuten entfernten Hotel und schlafen so richtig aus. Die Realität: wir kommen im strömenden Regen aus dem Gebäude und werden von Taxifahrern überrannt. Von jeder Seite einer. Als ich nach dem Preis frage, hieß es Taximeter und ca. 20.000 colones (ca.30€). Ich zeige ihm mein Uber Angebot und er lacht mich aus. Seine Kollegen auch. Es ist stockfinster und in dem Regen woanders hin laufen keine Option – nicht in unserem Zustand. Okay ihr Nervbolzen, ihr habt gewinnen – für heute. Ben überlebt keine 5 Minuten im Auto und schläft an meiner Schulter ein. Der neunmal kluge Fahrer nutzt kein Navi, weil er ja (na klaaar) weiß wo das Hotel ist. Dann fährt er im Kreis. Einmal und Hotel und ein dezenter Hinweis von mir, dass er vorbei gefahren ist, lässt ihn dann doch das Navi anschalten. Da es hier viele Einbahnstraßen gibt, zeigt das Navi nun wieder 12 Minuten an. Ich sage ihm, er soll mich einfach rauslassen, wir laufen die 100m. Keine Option, er dreht um und dingelt umher. Bei 15.000 colones beschließe ich, mehr bekommt er nicht von mir. Als er uns am Hotel rausgelassen hat und ich ihm gesagt habe, dass das nicht in Ordnung war und er von mir das Geld bekommt, was auf dem Taximeter beim Vorbeifahren Stand, fing er zu diskutieren an. Doch das endete ganz schnell, als das Personal zum Empfang raus gekommen ist. Bäm.
Wieder online. Jetzt aber gute Nacht!Blitzschlaf
auf Erkundung im San josé – ein sehr eindrucksvoller Tag
4.40 Uhr: es ist wach.. Ich rede von Ben. :-) Eeeeecht jetzt? Hallo Jetlag. Gut,dass es „schon“ in 1h20 Frühstück gibt…haha.
Nach dem Frühstück wird der Pool erkundet und der Whirlpool zu Ben’s Paradies ernannt. Danach habe ich eine der jungen Ladies an der Rezeption ausgequetscht: Bus fahren als Touri eher ja/nein? Welche Gegenden sollten wir m meiden? Dann fing sie mit einer Touristenkarte an…och nö…. Genau darauf habe ich weniger Lust. Ich will nun ehrlich wissen, fährt sie Über? Oder eher Didi? Ist es safe? Welche Straßen sind gefährlich und so weiter.
Sie fährt Uber, ja es ist illegal, aber das ist es vielerorts. Es ist viel transparenter als die Taxis. Alle Fahrten werden aufgezeichnet, Rechnungen sind direkt in der App hinterlegt und man zahlt auch direkt über die App, ohne Diskussionen. Nach Dunkelheit sollten wir hier generell nicht mehr umher wandern, tagsüber belebte Orte. Super erzähl mir was Neues. Also wie überall im „Ausland“. Wir laufen also ohne Portemonnaie, Kamera in die Innenstadt und werden von Lautstärke, Verkäufern und Bettlern überflutet. Wahnsinn. Und so viel Müll. Überall. In jeder Form. Dazu später Fotos, ich hab es tatsächlich in dem Moment nicht fotografiert.
Glücklicherweise haben wir uns zugleich (auch wenn noch die Sonne schien) zwei Schirme gekauft, denn der Regen wird sicher nicht lange auf sich warten lassen. Wir sind die Hauptstraßen und Plätze abgelaufen und ich war ziemlich overwhelmed. Das Gewusel und die Zustände war ich von Reisen nach Sri Lanka, Vietnam und Co. gewohnt, doch mit Kind im Schlepptau ist es einfach etwas anderes.
Unser neues Ziel: Simón Bolívar National Zoological Park and Botanical Garden. Das ist eine Art kleiner Zoo, welcher ca. 3.4km von..Hotel entfernt ist. Der Park stellte sich als super schön heraus. So bekam Ben gleich einen kleinen Eindruck von der Vegetation und vor allem der Vogelwelt. Sein absolutes Highlight: der sehr interessierte Papagei (Grünnacken-Amazone). Er hat uns nicht nur nett begrüßt mit „Hola“, sondern auch schön ausgelacht. Ben fand es herrlich. Ich glaube er stand fast 40 Minuten bei seinem „coco“ (so nannte er ihn) und hat versucht ein Gespräch zu führen. Herrlich und bezaubernd. Ich schau Mal, ob man hier Videos einbetten kann.
Der Weltuntergang naht Eingang zum ParkJaguarArasBen und sein Freund CocoCocoMan… Sind wir gut vorbereitet
Ankunft von Papa
13.00 Uhr: nun aber schnell nach Hause, denn Papa landet 14.45 Uhr und wir wollen ihn willkommen heißen. Nun üben wir uns mit den Uber-Fahrten.
Als Papa dann endlich aus dem Gebäude kommt, hat Ben sich uuuuunfassbar gefreut. Und dann wurde Marco auch nicht mehr frei gegeben. Mal sehen wie lange die Liebe anhält und der Stänkerfritze wieder Überhand gewinnt ;-) .
Lissabon ist wirklich eine schöne Stadt. Ich hatte da so eine Ahnung, dass die Stadt schön ist. Doch irgendwie entdeckt man täglich neue Besonderheiten.
Das öffentliche Netz ist super ausgebaut. Der Ticketkauf, wenn man nicht gerade ein Touristenticket kaufen will, stellt sich als etwas verwirrend dar. Insbesondere wenn man für ein Kind, welches nur 50% kostet, jedes Mal zum Schalter laufen muss, weil der Automat keine Kindertickets verkauft.
Unseren ersten halben Tag haben wir bei Oriente verbracht. Im Grunde genommen, sind wir flaniert, haben gut gegessen, Ruderbooten zugeschaut, einen neuen Ball gekauft, Lebensmittel für die Tage besorgt und das war’s. Mein persönliches Highlight war das gute Essen. Endlich mal wieder so richtig lecker essen. In Ponta Delgada hatten wir einmal ein richtig gutes Restaurant, sonst war es eher spartanisch :-D.
Am zweiten Tag haben wir uns vorgenommen Lissabons Zentrum abzulaufen. Jetzt waren wir ja schon so im „Flow“. 7,8 km haben wir wieder gerockt..hoch und runter. Ich glaube wir müssen aufpassen, dass Ben nicht mit Hulk-Waden nach Hause kommt. Haha… Eigentlich wollten wir zusätzlich die Tram 28 oder den Hop-On-Hop-Off Bus nehmen. Allerdings waren beide so unfassbar überfüllt….das wäre quasi die Corona-Garantie überhaupt gewesen. Nein danke. Die Wege sind in Lissabon doch recht kurz, dafür aber knackig. Denn es geht tatsächlich Treppe hoch, Treppe runter und so weiter. Ich glaube wir hatten am Ende des Tages 500 Höhenmeter.
Highlight: Funicular fahren. Obwohl die Fahrt mit 5 Minuten sehr kurz ist, fand Ben es natürlich klasse. In Porto wollten wir mit einer noch spektakulärerin Funicular fahren, allerdings war diese wegen Instandsetzung geschlossen.
Weiteres Highlight: der Spielplatz beim Castelo Sao Jorge. Nicht nur, dass man von dort oben einen phänomenalen Ausblick hatte. Es wachsen dort oben Aprikosen-und Orangenbäume. Naja, und da so ziemlich jeder Zweite versucht hat, die Bäume zu schütteln und etwas von den Früchten zu ernten…wurden wir gut versorgt…haha. Außerdem hat Ben dann noch Bekanntschaft mit einer 8-jährigen Portugiesin geschlossen. Er hat sich anfangs tatsächlich etwas angestellt und wusste nicht wie er sie ansprechen sollte. Dabei hatte sie ihn sogar zuvor schon auf Deutsch gefragt, was der denn da macht. Aber gut, die Mama hat eben nachgeholfen. Letztendlich ist Ben auf den Orangenbäum geklettert, hatte ihre volle Aufmerksamkeit und dann haben sie sich sicher gute 20 Minuten darüber unterhalten, dass sie auf eine Deutsche Schule geht und welche Bäume sich hier besonders gut beklettern lassen. Sie war ein richtiger Sonnenschein.
…und des duftet überall nach Flieder. Mega.Sehr lecker!Der Ausblick von oben
Auf dem Weg zurück zu Bahn gab es dann noch eine Menge an Musikern und Folklore zu sehen. Das fand Ben natürlich richtig cool. All die geschmückten Gassen und Straßenmusiker sind schon die Vorboten des riesigen jährlichen Festes de Santo António.
Wir haben sicher keine komplette „Lissabon-Tour“ gemacht. Aber mein erster Eindruck ist: Hier möchte ich gerne noch einmal sein. 300 Meter von unserer Unterkunft entfernt, gibt es ein rieeesiges Wandergebiet. Mehr oder weniger mitten in der Stadt. Die Innenstadt ist wunderschön, die Umgebung von ländlich bis urban und es gibt einiges zu sehen. Auch waren viele coole Aktivitäten auf dem Wasser ungetan, doch ich glaube das würde sich noch einmal lohnen!
Am 5. Juni haben wir dann unseren Mietwagen abgeholt. Natürlich wollte die Dame am Schalter (Goldcar) mir noch eine zusätzliche Versicherung gegenen Vandalismus andrehen. Denn das sei beim Komplettpaket von Rentalcars nicht dabei. Und hey, ich müsste dann auch keine 1.200 Euro Kaution hinterlegen. Ich denke mir: Ach komm…wie oft kommt das denn vor…nö danke. Bei der Kautionshinterlegung war dann tatsächlich noch mein Geld von Sao Miguel geblockt. Von wegen 24-48hh…pff. Also gut, dann eben doch diese doofe Versicherung on top für nochmals 53 Euro. Und jetzt kommt’s: Nachdem wir einen mega schönen Tag hatten und auf dem Rückweg nach Hause waren, standen wir im Stau, auf einer Mautstraße. Plötzlich knallt es und irgendwas hat das Auto getroffen. Im ersten Moment denke ich mir, ob da nun ein Motorradfahrer gegen uns gefahren ist? Dann schaue ich nach draußen und sehe einen Stein. Einen Stein, der etwa anderthalb Tennisbälle Durchmesser hatte. Ich schaue aus dem Fenster und mein „Nachbar“ signalisiert mir, das s der Stein von der Brücke über uns käme. What? Welches Arschloch macht denn bitte so etwas? Und wie stehen die Chancen, dass gerade wir (!!!) mit unserer Citroen Mini Möhre ‚a la C1 diesen Stein abbekommen? Auf einer 4 spurigen Straße! Unfassbar. So, nun denke ich mir: so blöd kann echt niemand denken, aber danke für die Versicherung! Oh man… :-D.
Und hier noch ein paar Eindrücke von unseren Erlebnissen an diesem Tag:
Nachdem wir gestern schon fußläufig die umliegenden Dinge erkundet haben, hat Ben hochoben auf dem Berg etwas entdeckt. Die maurischen Burg. Klar, es muss die ganz oben sein. So soll es sein. Außerdem habe ich ihm ein kleines Picknick auf der Burg schmackhaft gemacht. Das muss man sich aber auch verdienen. Also wird gelaufen. Wir sind um 10 Uhr los gelaufen und waren 15 Uhr zurück in „der Stadt“.
Man könnte den halben Weg mit einem TukTuk, oder Taxi oder whatever, zurück legen. Jedenfalls von der Stelle aus, wo man nur noch zu Fuß hochlaufen kann, hat es ca. 40 Minuten gedauert. Ben hatte eine Aufgabe: er navigierte uns.Ben hatte eine Aufgabe: er navigierte uns. Der Weg nach oben war wirklich schön und abwechslungsreich. So tolle Aussichten, viele kleine Höhlen, die Ben entdecken konnte. Das schönste aber war der Duft. Es hat soooo gut gerochen. Ich konnte die Quellen nicht identifizieren, es aber es erinnerte mich total an Basilikum. Überall…es war ein Fest.
Oben angekommen, gab es das versprochene Picknick…bis der Regen sich wieder einmal zu uns gesellte. Zum Glück hielt der aber nicht lange an und wir sind die Burgmauer hoch und runter und wieder hoch und wieder runter gestiegen. Es war schon beeindruckend.
Als wir Abends auf die App geschaut haben, welche immer unsere Laufroute aufzeichnet, war Ben stolz wie Bolle. Nicht, dass er wüsste was 7 km sind. Als er jedoch von oben nach unten geschaut hat, und dann von unten nochmals nach oben, war alles klar. Er war soo stolz auf sich. Und ich erst.
Was mich schockiert hat, war, dass Sintra unfassbar teuer ist. Eine Kugel Eis 3 Euro, eine Flasche Wasser im kleinen Markt 1,80 € ist schon verrückt. Also entweder vorher eindecken, oder aber mit der Bahn nochmals eine Station zurück fahren, um einzukaufen. Zu Fuß macht das weniger Spaß. Aber gut, es ist eben eine Touri-Hochburg.
Unser Hostel war hingegen überraschend gut. Wir hatten ein ganz nettes, helles Zimmer und mehr oder minder ein Bad für uns. An sich sind es Gemeinschaftsbäder, jedoch super sauber und total modern. Das war echt angenehm. Es gab nicht allzu viele Zimmer und auch nur die Doppelzimmer-Gäste haben sich zusammen Bäder geteilt. Die Mehrbettzimmer waren in einem anderen Gebäude. Sprich: es gab kein Hostel-Feeling…außer beim Frühstück. Das war so gar nicht mein Ding. Also freute ich mich schon wieder auf unsere nächste Unterkunft mit großer Küche und „Zuhause-Feeling“.